Ideologiekritik - Archiv


[Livestream] Zum 150. Geburtstag von Lenin

Lenin neu entdecken – Buchvorstellung mit Michael Brie (Berlin)
Mittwoch, 22. April 2020, um 19 Uhr
Die Veranstaltung wird über Facebook-Live übertragen: www.facebook.com/kurteisner.verein/live/ Über den Link kann die Veranstaltung auch im Stream angesehen werden, ohne einen eigenen Facebook-Account zu haben. Fragen können über die Chat-Funktion gestellt werden.

Sein vollständiger Name ist Wladimir Iljitsch Uljanow. Er wurde am 22. April 1870 in der kleinen abgelegenen Stadt Simbirsk an der Wolga geboren. Das war auf den Tag genau vor 150 Jahren. Was bleibt von dem Revolutionär, dessen Name bis heute weltweit bekannt ist? Er gilt als der Vater des ersten sozialistischen Staates der Welt, als Gründer der bolschewistischen Partei und als Symbolfigur der kommunistischen internationalen Bewegung. «Alle Macht den Räten!»  war die Losung der Oktoberrevolution von 1917. Welche Rolle aber spielen die Arbeiterinnen und Arbeiter in Lenins Sowjetrussland? Vor welchen Herausforderungen stand seine Revolution mitten im Ersten Weltkrieg? Wie gelang es Lenin das sozialistische System aufrecht zu erhalten?

In einem Vortrag zu Lenins 150. Geburtstag geht der Philosoph Michael Brie auf das politische Wirken des großen Revolutionärs ein. Er fokussiert sich auf Lenins strategische Eingriffskraft in Zeiten der Ohnmacht und geht der Frage nach, warum Lenin 1917 auf den bewaffneten Aufstand bestand, und warum er kurze Zeit später die frei gewählte Verfassungsgebende Versammlung auflöste. Außerdem wirft er einen Blick darauf, wie sich Lenin den inneren Widersprüchen des sowjetischen Systems zu stellen suche, die im Gefolge von Revolution und Bürgerkrieg entstanden waren.

Lenin. Bild: www.zersetzer.com/ CC BY-NC-SA

Lenin. Bild: www.zersetzer.com/ CC BY-NC-SA

Zum Referenten:
Der Philosoph Michael Brie ist Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Theorie und Geschichte des Sozialismus und Kommunismus. Von ihm erschien 2017 das Taschenbuch «Lenin neu entdecken. Das hellblaue Bändchen zur Dialektik der Revolution & Metaphysik der Herrschaft» beim VSA Verlag.
Freier Download des Buchs auf der Website der Rosa-Luxemburg-Stiftung: klick hier
Leseprobe und Bestellung: klick hier

Eine Online-Veranstaltung des Kurt-Eisner-Vereins (Rosa-Luxemburg-Stiftung Bayern) und weiterer Rosalux-Landesstiftungen.

[Webinar] Introducing Antonio Gramsci

Ein Webinar der Rosa-Luxemburg-Stiftung zum Denken Antonio Gramscis

Antonio Gramsci saß in den Kerkern des faschistischen Italien der 1930er Jahre. Er verfasste dort die «Gefängnishefte», eine Art tagebuchähnlicher Arbeitshefte, in denen sich der kommunistische Politiker und Intellektuelle daranmacht, marxistisches Denken zu erneuern. Viele revolutionäre Bewegungen waren gescheitert. So fragt Gramsci nach der Bedeutung des Staates, der Kultur und der Intellektuellen für die Organisation von Herrschaft in kapitalistischen Gesellschaften. Die Gefängnishefte mit ihren vielfältigen Notizen sind ein fragmentarisches Werk, in dem sich bis heute aktuelle Fragen und Problemstellungen aufspüren lassen:

▶ Wie wird die freiwillige Unterwerfung und Zustimmung der Menschen zu Herrschaft organisiert?

▶ Welche Grabenkämpfe werden in der Zivilgesellschaft ausgetragen?

▶ Wie verändert sich in Krisenzeiten das Verhältnis von Zwang und Konsens?

Das Webinar will gemeinsam Wege durch den Steinbruch der Gefängnishefte und das Denken Gramscis finden. Wir wollen nicht über Gramsci reden, wir wollen ihn lesen. Das macht zusammen mehr Sinn und Spaß als allein. Wir diskutieren ausgewählte Passagen und kurze Stellen. Dabei folgen wir dem Verlauf der Hefte, um die verwobene Entwicklung der Passagen nicht zu zerstören. Zur Vertiefung wichtiger Fragen und Begriffe gibt es Hinweise auf aktuelle Texte. Als Grundlage nutzen wir den Auswahlband «Gramsci lesen – Einstiege in die Gefängnishefte».

Webinar Gramsci

Programm der einzelnen Sitzungen:
30.03.2020 Sitzung 1: Was ist Hegemonie?
06.04.2020 Sitzung 2: Staat und Zivilgesellschaft
13.04.2020 Sitzung 3: Ideologie
20.04.2020 Sitzung 4: Alltagsverstand
27.04.2020 Sitzung 5: Organische Intellektuelle
04.05.2020 Sitzung 6: Krisen

Leitung des Webinars: Jan Niggemann (Kontakt: janek dot niggemann at yahoo dot de)

Kostenloses Seminarmaterial wird bereitgestellt

Methoden: Input, Stream, Textauszüge, moderierte Diskussion, begleitender Chat für Fragen, Literatur, Material etc. Vor- und Nachbereitung

Das Webinar findet auf der Videokonferenzplattform Zoom statt.

ANMELDUNG

Auf Grund begrenzter Plätze ist eine Anmeldung unter www.rosalux.de/veranstaltung/es_detail/EL57O erforderlich.
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Basistexte:

https://argument.de/produkt/gramsci-lesen-einstiege-in-die-gefaengnishefte-hg-von-florian-becker-mario-candeias-janek-niggemann-anne-steckner/

https://argument.de/produkt/gefaengnishefte-gesamtausgabe-in-10-baenden-broschiert/

https://ilpalcomagazin.wordpress.com/2016/04/04/die-gleichgueltigen-antonio-gramsci/

[Livestream] Zeitgenössischer linker Antisemitismus

## Wegen der Corona-Pandemie findet diese Veranstaltung zum geplanten Zeitpunkt online via Livestream (Echtzeitübertragung) statt. ##

Vortrag und Diskussion mit David Hirsh (London)
Dienstag, 21. April 2020, um 19:30 Uhr in Bremen
Online-Veranstaltung mit Livestream auf dem Youtube-Kanal sowie auf der Facebook-Seite des Jungen Forums der DIG Bremen.

Linker Antisemitismus ist schwer zu erkennen, da er sich nicht in Nazi-Uniform kleidet und sich meist nicht offen hasserfüllt gegen Jüdinnen und Juden richtet. Diese Form des Antisemitismus wird in demokratischen Räumen häufig toleriert und ist anzutreffen unter Gewerkschafter*innen, in Kirchen, bürgerlichen Talk-Runden oder in Seminaren radikaler Intellektueller.

David Hirsh beschreibt in seinem Vortrag, wie sich Kritik an israelischer Politik in Antisemitismus verwandelt und wie sich die Kämpfe um die Definition von Antisemitismus aktuell darstellen. Es geht auch darum, wie diejenigen, die Antisemitismus heute als antisemitisch entlarven und kritisieren, inzwischen angegangen werden – sie sollen schweigen. In Großbritannien ist Israel-Feindlichkeit, so Hirshs Befund, geradezu Ausweis und identitätsstiftender Marker einer oppositionellen Haltung zu Neoliberalismus und globalem Kapitalismus geworden.

Der Vortrag findet in englischer Sprache, aber mit deutscher Übersetzung statt.

David Hirsh ist Lehrbeauftragter für Soziologie am Goldsmiths College, London und Gründer von „Engage“, einer Kampagne gegen den akademischen Israelboykott. In seinem 2017 bei Routledge erschienenen Buch „Contemporary Left Antisemitism“ beleuchtet er aktuelle Debatten über den Zusammenhang von Antizionismus und Antisemitismus. Hirsh war lange Zeit Mitglied der Labour Party und des Jewish Labour Movements, trat aus der Partei aber kürzlich aus wegen ihres Umgangs mit Antisemitismus in den eigenen Reihen.

David Hirsh © Goldsmiths, University of London

David Hirsh © Goldsmiths, University of London

Veranstalterinnen: Eine Veranstaltung des Jungen Forums der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Bremen/Unterweser (DIG), des Kulturzentrums Kukoon und der Rosa-Luxemburg-Initiative – Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bremen. Die Veranstaltung wird unterstützt von der Partnerschaft für Demokratie Bremen im Rahmen des Programms „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Frauen, Senioren und Jugend.

[Abgesagt] Vier Beine gut, zwei Beine schlecht

## Die Veranstaltung wurde wegen der Corona-Pandemie abgesagt und soll nach Möglichkeit später im Jahr nachgeholt werden. ##

Lesung und Gespräch mit Mira Landwehr
Freitag, 17. April 2020, um 20 Uhr in Bremen
Galerie K‘, Alexanderstraße 9b, 28203 Bremen

Mira Landwehrs im konkret-Velag veröffentlichter Band Vier Beine gut, zwei Beine schlecht handelt von den Problemen des Veganismus; er handelt von seiner Popularität und seinen Anhängerinnen. Der Verschwörungstheoretiker Ken Jebsen verkündet stolz, „Vollveganer“ zu sein. Der rechte Esoteriker Ruediger Dahlke bereichert den Buchmarkt jedes Jahr mit einem neuen veganen „Peace Food“-Kochbuch. Marginalisierte Gruppen sollen ihre Kämpfe hintenanstellen und sich für die Rechte der Tiere einsetzen. Die Relativierung und Instrumentalisierung des Holocaust sind in Diskussionen um die Ethik der Ernährung präsent.
In einer als unübersichtlich und chaotisch wahrgenommenen Umwelt, in der das Individuum keine Rolle spielt, scheint für manche Menschen alles, was mit dem nichtssagenden Label „alternativ“ versehen ist, ein erstrebenswerter Ort der Selbstbestimmtheit zu sein, der die Rückgewinnung von Kontrolle verspricht. Die bewusst gewählte und individuell gestaltete Lebensweise mit starker Betonung der Ernährung wird für manche zum ordnenden Korrektiv. Wird Veganismus zur Weltanschauung, gehen mit ihm mitunter eine Art Auserwähltheitsglaube sowie eine Religiosität zusammen, die sich sektenähnlich manifestieren kann.

Mira Landwehr: Vier Beine gut, zwei Beine schlecht; Konkret-Verlag 2019.

Mira Landwehr: Vier Beine gut, zwei Beine schlecht; Konkret-Verlag 2019.

Weite Teile der veganen Tierrechtsbewegung begrüßen Rassistinnen, Ökofaschistinnen und andere Menschenfeindinnen an Infoständen, auf Demonstrationen und als ihre medial wirksamen Fürsprecherinnen – der Schlachtruf lautet: „Hauptsache für die Tiere!“ Dieses Buch soll verstehen helfen, warum Tierliebe und Menschenhass so nah beieinander liegen und warum es so schwer ist, mit Leuten in der Szene darüber zu sprechen.

Mira Landwehr studierte Geschichte und Germanistik. Mehrere Jahre bewegte sie sich in der Tierrechtsszene. Sie schreibt regelmäßig für konkret und bloggt unter aufdemnachttisch.de.

Veranstalterinnen: Galerie K‘ und Rosa-Luxemburg-Initiative – Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bremen.

Männerphantasien

Zur Aktualität des Problems „soldatischer“ Männlichkeiten
Vortrag und Diskussion mit Klaus Theweleit
Am Donnerstag, 30. Januar 2020, um 19 Uhr in Bremen
Haus der Wissenschaft, Sand­stra­ße 4/​5, 28195 Bremen

Ende November letzten Jahres wurde das Buch “Männerphantasien” von Klaus Theweleit in einer Neuausgabe wieder aufgelegt. Im Klappentext heißt es:

Vor 40 Jahren erschien mit Männerphantasien Klaus Theweleits große Untersuchung über die sexuelle, psychologische und soziopolitische Vorgeschichte des Nationalsozialismus in der Weimarer Republik. Das Werk, das für viele als Auftakt der Männerforschung in Deutschland gilt, ist längst zu einem Klassiker auch der Gewaltforschung geworden. Angesichts der Rückkehr rechten Straßenterrors und faschistoider Positionen, die viele schon an Weimarer Verhältnisse denken lassen, sowie von Propagandafeldzügen gegen freiere Sexualitäten – Stichwort: »Genderwahn« – sind die Analysen des Buches viel zu brennend, um es im Regal der großen Werke ins Archiv zu stellen.

Am 30. Januar 2020 wird Klaus Theweleit im Haus der Wissenschaft uns seine heutige Sicht auf das Buch vorstellen und mit uns diskutieren, was diese mit unserer Zeit zu tun hat. – Der Veranstaltungsort ist barrierefrei zugänglich.

Eine Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Initiative – Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bremen in Kooperation mit Bremer Aktivistinnen*.

Klaus Theweleit in Erlangen 2015. Bild: manfred.sause@volloeko.de; CC BY-SA 3.0

Vorabbericht zur Veranstaltung bei Radio Bremen: Gesprächszeit mit Klaus Theweleit; Bremen Zwei, 29. Januar 2020, 18:05 Uhr.

Intellektueller Unruhestifter – Die politische Sozialisation Wolfgang Pohrts

Diskussionsveranstaltung mit Klaus Bittermann
Freitag, 06. März 2020, um 20:00 Uhr
Kukoon, Buntentorsteinweg 29, 28201 Bremen

Klaus Bittermann ist Herausgeber der Werke Wolfgang Pohrts und schreibt aktuell an dessen Biographie . In seinem Vortrag beschäftigt er sich mit der Zeit in Frankfurt Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger Jahre, in der Wolfgang Pohrt politisch sozialisiert wurde. Dabei spielt viel mehr als Adorno vor allem der schon früh verstorbene Frankfurter Student_innenführer Hans-Jürgen Krahl eine entscheidende Rolle. Krahl brachte Pohrt nicht nur auf sein Dissertationsthema Theorie des Gebrauchswert, sondern prägte ihn auch mit seiner Beharrung auf einen radikalen Bruch mit der eigenen bürgerlichen Herkunft und der Interpretation des Anfangs der antiautoritären Protestbewegung als Trauer um den Tod des bürgerlichen Inviduums. In seinem frühen Text Arbeiter und Kleinbürger, in dem Pohrt auch seine eigene Existenz als „Lumpensammler“ (Benjamin) reflektiert, heißt es bereits, dass Revolution nicht Aufbau des Sozialismus heißen kann, sondern Zertrümmerung der Warenwelt, oder in den Worten Krahls: „Die Emanzipation der Gattung ist nicht mehr möglich über die personalisierende Enthüllung der herrschenden Klasse, sie ist nur möglich über eine Denunziation der Dinge, des im Spätkapitalismus produzierten Schunds, in denen die Verhältnisse sich kristallisieren.“ Im „verpfuschten Leben“ und im „erniedrigenden grauen Alltag“ erkennt Pohrt die treibende Kraft der Unruhe, die auch „aus der Trauer über das Sterben der Gebrauchswerte“ (Hans-Jürgen Krahl) resultiert. Die Protestbewegung ist für ihn ein kurzer Moment, in dem es möglich war, auch intellektuell Rache zu nehmen am „Betrug am richtigen Leben, dessen Opfer man selbst werden sollte“. Verflochten mit diesen Überlegungen wird Pohrts Beteiligung an den Student_innenprotesten erzählt.

Klaus Bittermann (Berlin) ist Autor und Verleger. In seinem Verlag Edition Tiamat veröffentlicht er die gesammelten Werke von Wolfgang Pohrt. Letzte Veröffentlichung: Einige meiner besten Freunde und Feinde. Unruhestifter und Abweichler, Berlin 2019.

Der Veranstaltungsort ist barrierefrei zugänglich.

Eine Veranstaltung von associazione delle talpe in Kooperation mit Rosa-Luxemburg-Initiative – Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bremen.

Volker Weiß: Adorno – Aspekte des neuen Rechtsradikalismus

Buchvorstellung und Diskussionsveranstaltung mit Volker Weiß
Freitag, 31. Januar 2020, um 20:00 Uhr
Kukoon, Buntentorsteinweg 29, 28201 Bremen

Am 6. April 1967 hielt Theodor W. Adorno auf Einladung des Verbands Sozialistischer Studenten Österreichs an der Wiener Universität einen Vortrag, der aus heutiger Sicht nicht nur von historischem Interesse ist. Vor dem Hintergrund des Aufstiegs der NPD, die bereits in den ersten beiden Jahren nach ihrer Gründung im November 1964 erstaunliche Wahlerfolge einfahren konnte, analysiert Adorno Ziele, Mittel und Taktiken des neuen Rechtsradikalismus dieser Zeit. Er kontrastiert diesen mit dem »alten« Nazi-Faschismus und fragt insbesondere nach den Gründen für den Zuspruch, den rechtsextreme Bewegungen damals – 20 Jahre nach Kriegsende – bei Teilen der bundesdeutschen Bevölkerung fanden. Vieles hat sich seitdem geändert, manches aber ist gleich geblieben oder heute, 50 Jahre später, wieder da. Und so liest sich Aspekte des neuen Rechtsradikalismus wie eine Flaschenpost an die Zukunft, deren Wert für unsere Gegenwart Volker Weiß in seinem Vortrag herausarbeitet.

Volker Weiß ist Historiker aus Hamburg und schreibt unter anderem für die Zeit und jungle world. Ausgewählte Veröffentlichungen: Die autoritäre Revolte – Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes, Stuttgart 2017; Deutschlands Neue Rechte Angriff der Eliten – Von Spengler bis Sarrazin, Paderborn 2011; Moderne Antimoderne. Arthur Moeller van den Bruck und der Wandel des Konservatismus, Paderborn 2012. Er hat das Nachwort zu Theodor W. Adornos Aspekte des neuen Rechtsradikalismus verfasst.

Der Veranstaltungsort ist barrierefrei zugänglich.

Eine Veranstaltung von associazione delle talpe in Kooperation mit Rosa-Luxemburg-Initiative – Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bremen.

Das Video zur Veranstaltung: Adorno Reloaded – Volker Weiss bei 3Sat Kulturzeit zu Theodor W. Adornos „Aspekte des neuen Rechtsradikalismus“.

Moritz Zeiler: Lektürekurs zu Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Band 1

Lektürekurs mit Moritz Zeiler
Wöchentlicher Lektürekurs, Kursbeginn 04. Februar 2020
Jeweils Dienstag / 19:00 – 21:00 Uhr / Infoladen / St. Pauli-Str. 10-12 / 28203 Bremen

Seit der Krise 2008ff wird vermehrt Kritik am Kapitalismus laut. Dabei überwiegt meist ein undeutliches Verständnis der kapitalistischen Verhältnisse sowie Ressentiments gegen Banken, Management und ‚die da oben‘. Doch Empörung und Anklage Einzelner allein haben die gesellschaftlichen Verhältnisse noch nie zum Besseren verändert, sondern im Gegenteil eher zu Rückschritt und Barbarei geführt. Kritische Untersuchung ökonomischer und politischer Zusammenhänge ist für gesellschaftliche Emanzipation daher unverzichtbar. Die Marx’sche Kritik der politischen Ökonomie wurde zwar im 19. Jahrhundert veröffentlicht, bietet aber nach wie vor eine der profundesten Analysen des Kapitalismus. Mit dem Lektürekurs wird in zentrale Begriffe von Marx eingeführt. Unter anderem interessieren folgende Fragen: Was unterscheidet Kapitalismus von früheren Gesellschaftsepochen? Was versteht Marx unter Ware, Wert, Geld und Kapital? Welche Bedeutung haben bei ihm Fetischismus, Klasse und Staat? Ab Anfang Februar 2020 wird einmal wöchentlich der erste Band des Marx’schen Kapital gelesen und diskutiert und so bis Ende November insgesamt erarbeitet. Der Kurs wendet sich vor allem an diejenigen, die in eine kollektive Auseinandersetzung mit der Marx’schen Kritik der politischen Ökonomie einsteigen möchten und keine größeren Vorkenntnisse haben. Dabei sollen alle Fragen erlaubt sein und Expert_innendebatten vermieden werden. Der Referent wird moderieren und einen Überblick über verschiedene Lesarten geben, jedoch keine allgemeingültige Interpretation präsentieren. Gewünscht ist gemeinsame Textaneignung und Diskussion.

Moritz Zeiler hat Geschichte und Politikwissenschaften studiert und ist Mitglied der Gruppe associazione delle talpe. Veröffentlichung: Materialistische Staatskritik. Eine Einführung, Stuttgart 2017 sowie zusammen mit associazione delle talpe Herausgabe der Textsammlungen Staatsfragen. Einführungen in die materialistische Staatskritik, Berlin 2009 sowie Maulwurfsarbeit I-IV, Berlin/Bremen 2010-2018.

Anmeldung bitte an zeiler@rosa-luxemburg.com.

Marx_Plakat_2020

Der Flyer zum Kurs als PDF zum Download: Marx_Flyer_2020.

Eine Veranstaltung von associazione delle talpe in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Initiative – Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bremen.

„Daham ist Scheiße“

Die AntiFa Wien berichtet über ein Jahr schwarz-blaue Koalition in Österreich
Mittwoch, 22. Mai 2019, um 20 Uhr in Bremen
Infoladen Bremen, St. Pauli-Str. 12, 28203 Bremen

Unter dem Motto „Become Ungovernable – Unregierbar werden“, mobilisierte die autonome antifa w im Januar 2018 gegen die Regierungsbildung der schwarz-blauen Koalition aus ÖVP und FPÖ in Wien. Seit dem ist einiges passiert und was eine faschistische Regierungsbeteiligung für Auswirkungen hat, lässt sich in Österreich schon jetzt – gut ein Jahr nach Beginn dieses Wahnsinns – erkennen: neben der stark verschärften Repression nach innen und dem Ausbau der staatlichen Abschottung hat es die FPÖ zur Zeit vor allem auf die Sozialpolitik abgesehen. Die Einführung des 12-Stunden-Tags ist nur einer von vielen traurigen Höhepunkten.

Neben den Europawahlen im Frühling stehen dieses Jahr auch Landtagswahlen in Bremen, Sachsen und Brandenburg an und es sieht finster aus: eine schwarz-blaue Koalition in Sachsen ist nicht nur denkbar, sondern sogar wahrscheinlich und würde eine historische Zäsur in der Geschichte der BRD darstellen.
Wir möchten darüber sprechen, was es bedeutet in einem Land mit faschistischer Regierungsbeteiligung zu leben, wie sich der Widerstand dagegen formiert und welche Strategien dabei erfolgreich sein können.

Eine gemeinsame Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Initiative (Rosa-Luxemburg-Stiftung Bremen) und der Antifa-Gruppe Bremen (AGB) sowie weiterer Antifaschistischer Initiativen.

Sechs Tage im April. Erich Mühsams Räterepublik

Buchvorstellung und Diskussionsveranstaltung mit Markus Liske
Donnerstag, 07. November 2019, um 20:00 Uhr
Kukoon, Buntentorsteinweg 29, 28201 Bremen

Nur sechs Tage lang, vom 7. bis zum frühen Morgen des 13. April 1919, währte die »Bairische Räterepublik«, die auch als »Dichterrepublik« in die Geschichte einging und deren wichtigstes Sprachrohr der Dichter Erich Mühsam war. Bis heute beflügeln diese sechs Tage sozialrevolutionäre Träume von einer gesellschaftlichen Alternative zu Parlamentarismus einerseits und Parteidiktatur andererseits. Doch wie genau sah Mühsams Vision aus, und woran scheiterte sie?

Markus Liske montiert und kommentiert Texte, Tagebuchauszüge und Briefe Erich Mühsams zu einer umfassenden Erzählung seines jahrzehntelangen Ringens um eine wirklich freie Gesellschaft – zu einer individuellen ideengeschichtlichen Reise, die 1901 in Friedrichshagen bei Berlin beginnt und die mit der sechsjährigen Festungshaft dieses außergewöhnlichen Dichters und Menschenfreundes endet.

Commonistische Inklusionsgesellschaft – Begründete Möglichkeit solidarischer Vergesellschaftung

Buchvorstellung und Diskussionsveranstaltung mit Simon Sutterlütti
Dienstag, 05. November 2019, um 20:00 Uhr
Kukoon, Buntentorsteinweg 29, 28201 Bremen

Die Rechtfertigung der heutigen Gesellschaft ist gleichzeitig dünn und hart: „Der Kapitalismus ist die am wenigsten schlechte Gesellschaft zu der Menschen fähig sind“. Emanzipatorische Ansätze verhalten sich hierzu radikal-kritisch, indem sie auf die Verwirklichung einer befreiten, solidarischen Gesellschaft zielen. Doch sind wir Menschen überhaupt zu solch einer freien-solidarischen Gesellschaft fähig? Und wie müsste diese grundlegend gestaltet sein, damit sie menschlich möglich ist? Eine Antwort wird ungern versucht, da das Bilderverbot das ‚Auspinseln‘ von Utopien verbietet. Doch dieses Verbot verhindert Auseinandersetzung und Diskussion, schließt den utopischen Raum und konserviert somit alte Utopien. Auch vor dem Hintergrund des Scheiterns des Realsozialismus können diese immer weniger überzeugen.

Der Commonismus ist eine global-hocharbeitsteilige Utopie jenseits autoritärer Zentralplanung, nationaler, patriarchaler, rassistischer Herrschaft, Markt und (Lohn-)Arbeit. Während einige Utopien gesinnungspolitisch auf den altruistisch, aufopfernden Menschen hoffen, fragt der Commonismus unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen es für Menschen subjektiv funktional ist, die Bedürfnisse anderer für die eigene Bedürfnisbefriedigung einzubeziehen. Er ist eine Gesellschaft, in welcher die Bedürfnisbefriedigung der Einen nicht auf Kosten der Anderen geht. Eine Inklusionsgesellschaft, in welcher „die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist“ (Marx/Engels).

Buchvorstellung mit Simon Sutterlütti, Autor von Kapitalismus aufheben, VSA Verlag, Hamburg 2018. Mehr Informationen unter: https://commonism.us/

Michael Heinrich: Kritik der politischen Ökonomie. Karl Marx: Das Kapital. Band 2-3

Wochenendseminar am 16. – 17. November 2019, Infoladen, St. Pauli-Str. 10-12, 28203 Bremen

Mit dem Wochenendseminar soll ein Überblick über den Inhalt des zweiten und dritten Bandes des Kapitals. Kritik der politischen Ökonomie von Karl Marx gegeben werden. Dabei werden einleitend die Marxschen Ausführungen zum Produktionsprozess aus dem ersten Band des Kapitals skizzenhaft wiederholt werden. Anschließend werden die Überlegungen zum Zirkulationsprozess und zum Gesamtprozess der kapitalistischen Produktion präsentiert und wichtige Begriffe wie Kredit, Zins, Rente und Profit vorgestellt. Kenntnisse des ersten Bands des Kapitals sind für die Teilnahme empfehlenswert. Das Seminar versteht sich als ein Angebot an alle, die Interesse haben, ihre Kenntnisse der Marxschen Ökonomiekritik zu vertiefen. Desweiteren dient es als Ergänzung zum Lektürekurs 2019 zum ersten Band des Kapitals.

Michael Heinrich ist Mathematiker und Politikwissenschaftler. Er ist Mitglied in der Redaktion von Prokla. Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft und Autor unter anderem von: Kritik der politischen Ökonomie. Eine Einführung, Stuttgart 2004; Die Wissenschaft vom Wert. Die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie zwischen wissenschaftlicher Revolution und klassischer Tradition, Münster 2003.

Das Wochenendseminar wird organisiert von associazione delle talpe in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Initiative – Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bremen.

Der Veranstaltungsort ist barrierefrei zugänglich, die Toilette leider nicht.

Anmeldung bitte unter mail@talpe.org

Peter Bierl: Kritik der Verschwörungsideologie – Die Legende von den Strippenzieher_innen

Diskussionsveranstaltung am Freitag, 03.05.2019, 20:00 Uhr, Kukoon, Buntentorsteinweg 21, 28201 Bremen

Xavier Naidoo sang von „Baron Totschild“, eine Verballhornung von Rothschild, der Zielscheibe aller Antisemit_innen seit 200 Jahren. Die völkische Rechte fabuliert vom „großen Austausch“ durch Geflüchtet, von islamischer Unterwanderung und den „Weisen von Zion“. Das Angebot an Verschwörungstheorien ist vielfältig, es reicht von Ufos über Chemtrails bis zur heimlichen Herrschaft von Echsen. Mondlandung und Klimawandel gelten als Schwindel, für die Anschläge von 9/11 sollen CIA und Mossad verantwortlich sein. Selbst Linke schwadronieren von finsteren Mächten und der internationalen Hochfinanz, die die Völker knechten. Der Journalist Peter Bierl stellt aktuelle und historische Verschwörungslegenden vor und versucht zu erklären, warum solche Geschichten so attraktiv sind.

Peter Bierl arbeitet als Journalist. Veröffentlichungen unter anderem: Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister: Die Antroposophie Rudolf Steiners und die Waldorfpädagogik, Hamburg 2005; Schwundgeld, Freiwirtschaft und Rassenwahn. Kapitalismuskritik von rechts – Der Fall Silvio Gesell, Hamburg 2012; Grüne Braune – Umwelt-, Tier- und Heimatschutz von rechts, Münster 2014.

Eine Veranstaltung von associazione delle talpe in Kooperation mit Partnerschaft für Demokratie Bremen und Rosa-Luxemburg-Initiative – Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bremen.

Der Veranstaltungsort ist barrierefrei zugänglich.

Frauen und Geschlechterpolitiken in der AfD und Umfeld

Jung, hip & modern – oder reaktionär, völkisch und antidemokratisch – ein Widerspruch? Facetten einer Szene in Bremen und anderswo
Vortrag und Diskussion mit Johanna Sigl
Donnerstag, 25. April 2019, um 19:30 Uhr in Bremen
Speicherbühne, Am Speicher XI 4, 28217 Bremen

Oft werden die AfD und nahestehende Gruppen als Männerbünde wahrgenommen. Doch gerade auch Frauen treten forsch und prominent in rechten Parteien und rechten Netzwerken auf – oft ungewohnt modern – vor allem aber sehr widersprüchlich. Welche Aufgaben und Funktionen nehmen die Frauen eigentlich in der (Bremer) AfD und ihrem Umfeld ein? Welche Bedeutung haben Rollenbilder und Geschlechterpolitiken in der AfD? Mit welchen Stereotypen spielen sie? Wie werden diese Bilder und Ideologien von rechten PolitikerInnen eingesetzt, um UnterstützerInnen für Ihren populistischen Kurs zu gewinnen? Und was bedeutet das für Menschen, die für eine aufgeschlossene, demokratische Politik der Vielfalt und Gleichberechtigung stehen und gestalten wollen?
Dazu gibt es kurze Impuls-Vorträge von Dr. Johanna Sigl (Universität Lüneburg) sowie einem Experten zum Phänomen der sog. Neuen Rechten (N.N.).

Die Räume sind barrierefrei. Der Eintritt ist frei.

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien und Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

VeranstalterInnen: Initiative „AfD Büro? Nirgendwo„, Autonomes Feministisches Referat an der Universität Bremen und Rosa-Luxemburg-Initiative – Rosa-Luxemburg-Stiftung Bremen.

Franziska Krah: Kritik des Antisemitismus – Buchvorstellung zu Binjamin Segel: Die Proto-kolle der Weisen von Zion kritisch beleuchtet. Eine Erledigung

Diskussionsveranstaltung am Freitag, 11.01.2019, 20:00 Uhr
Kukoon, Buntentorsteinweg 29, 28201 Bremen

Beinahe drei Jahre arbeitete der Journalist und Autor Binjamin Segel (1866-1931) an der Entlarvung der Protokolle der Weisen von Zion, dem bis heute virulenten antisemitischen Verschwörungsphantasma. Mit seiner erschreckend aktuell gebliebenen Studie von 1924 gehört er zu den Pionieren einer Kritik des Pamphlets. Segel informiert darin nicht nur über dessen Entstehungs- und Verbreitungsgeschichte, sondern weist gleichfalls nach, aus welchen Quellen dessen Urheber schöpften, um den vermeintlichen Plan einer jüdischen Weltverschwörung zu spinnen. Franziska Krah stellt Segels kritische Auseinandersetzung mit den Protokollen vor und äußert sich zur ungebrochenen Aktualität des antisemitischen Verschwörungswahns.

Franziska Krah ist Historikerin und Herausgeberin von Binjamin Segel: Die Protokolle der Weisen von Zion kritisch beleuchtet. Eine Erledigung, Freiburg 2017. Weitere Veröffentlichung: „Ein Ungeheuer, das wenigstens theoretisch besiegt sein muß“ – Pioniere der Antisemitismusforschung in Deutschland, Frankfurt am Main 2017.

Eine Veranstaltung von associazione delle talpe in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Initiative – Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bremen.

Der Veranstaltungsort ist barrierefrei zugänglich.

Peter Bierl: Kritik des Sozialdarwinismus – Wie Menschen zur Schnecke gemacht werden

Diskussionsveranstaltung am Freitag, 22.03.2019, 20:00 Uhr
Kukoon, Buntentorsteinweg 29, 28201 Bremen

Wenn Peter Singer auftritt, protestieren Behinderten-Initiativen und Antifaschist_innen, denn für den Philosophen sind Behinderte, Demente und Neugeborene Menschen zweiter Klasse. Er verharmlost Euthanasie als Erlösung und empfiehlt sie als Methode, um Geld zu sparen. Diese Haltung durchzieht sein Gesamtwerk und ist exemplarisch für eine rohe Bürgerlichkeit, die sich breit macht. Sie zeigt sich am Erfolg von Thilo Sarrazin. Dessen Buch Deutschland schafft sich ab war 2010 der Bestseller in der Kategorie Sachbücher. Muslimische Einwanderer_innen sowie Empfänger_innen von Hartz IV denunziert er als minderwertigen Erbguts. Der Staat sollte besser bio-deutschen Frauen aus der akademischen Mittelschicht mehr Geld geben, damit sie neben Studium und Karriere Kinder kriegen. Die AfD hat die Vorschläge übernommen. Dabei stehen weder Singer noch Sarrazin politisch rechts. Der Sozialdemokrat Sarrazin trieb als Finanzsenator in Berlin in einer Koalition aus SPD und PDS den Sozialabbau voran, Singer war für die australischen Grünen aktiv, ist prominenter Vordenker von Tierrechtsbewegung und Veganismus und plädierte für eine neue darwinistische Linke. Beide sind Wiedergänger einer Rassenhygiene, die in der Linken schon einmal Anklang fand. In dem Vortrag soll die Geschichte dieser darwinistischen Linken, von Sozialdemokrat_innen und Anarchist_innen, Neomalthusianer_innen und Frauenbewegung über die Bolshevist Eugenics und Reformeugeniker_innen bis zur Soziobiologie und dem evolutionären Humanismus der Gegenwart vorgestellt werden.

Peter Bierl arbeitet als Journalist. Veröffentlichungen unter anderem: Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister: Die Antroposophie Rudolf Steiners und die Waldorfpädagogik, Hamburg 2005; Schwundgeld, Freiwirtschaft und Rassenwahn. Kapitalismuskritik von rechts – Der Fall Silvio Gesell, Hamburg 2012; Grüne Braune – Umwelt-, Tier- und Heimatschutz von rechts, Münster 2014.

Eine Veranstaltung von associazione delle talpe in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Initiative – Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bremen und Partnerschaft für Demokratie Bremen.

Der Veranstaltungsort ist barrierefrei zugänglich.

Thomas Ebermann/Thorsten Mense: Kritik der Heimat – Besichtigung eines Grauens

Lecture Performance am Freitag,12.04.2019, 20:00 Uhr
Kukoon, Buntentorsteinweg 29, 28201 Bremen

»Heimat« boomt, und es scheint kein Entrinnen aus ihr zu geben. Jeder und jede muss sie haben, lieben, vermissen, verteidigen oder tief im Herzen tragen. Ob Greenpeace oder Kaufland, die Identitären oder die Grünen, Horst Seehofer oder Bodo Ramelow: Alle machen mit – und niemand fragt »Warum?«. Wo bleibt der Zweifel und die Skepsis, wenn plötzlich alle das gleiche wollen und fühlen? Thomas Ebermann und Thorsten Mense werden sich daher nicht mit einem weiteren Heimatbegriff an der Debatte beteiligen, sondern fühlen sich stattdessen den historischen wie zukünftigen Opfern von Heimat verbunden. Denn der Boom der Heimat ist das Grundrauschen der gesellschaftlichen Rechtsentwicklung, der Soundtrack zur völkischen Mobilmachung, die Einstimmung auf kommende Zumutungen und Unmenschlichkeiten. Dem stellen die Referenten sich entgegen – unausgewogen, schroff und negatorisch. Sie werden zeigen, dass Heimatliebe eben doch ein Verbrechen ist. Und dass man das, was man ernst nimmt und fürchtet, dennoch auslachen kann. Die Veranstaltung ist eine Mischung aus analytischen Vorträgen, satirischen Dialogen und audio-visuellen Bebilderungen. Heimat wird aufgeführt, vorgeführt und zu Leibe gerückt. In der Kulturindustrie nennt man das wohl Lecture Performance. Die Referenten sehen sich in der Tradition der Anti-Heimat-Kunst, und wollen das stark machen, was derzeit im Rausch der Heimatliebe in Vergessenheit zu geraten droht: die Nestbeschmutzung.

Thomas Ebermann schreibt unter anderem für konkret. Inszenierung zahl- reicher szenischer Lesungen, zuletzt: Firmenhymnenhandel, Q – Gegen Luther, Papst und Fürsten! Thorsten Mense ist Soziologe, freier Autor und Journalist. Er schreibt unter anderem für jungle world und konkret. Autor ua. von Kritik des Nationalismus, Stuttgart 2016. Künstlerlische Mitarbeit: Florian Thamer und Peter Bremme.

Eine Veranstaltung von associazione delle talpe in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Initiative – Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bremen und Partnerschaft für Demokratie Bremen.

Moritz Zeiler: Lektürekurs zu Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Band 1

Wöchentlicher Lektürekurs, Kursbeginn 04. Februar 2019 / Jeweils Montag / 19:15 – 21:15 Uhr
Infoladen / St. Pauli-Str. 10-12 / 28203 Bremen

Seit der Krise 2008ff wird vermehrt Kritik am Kapitalismus laut. Dabei überwiegt meist ein undeutliches Verständnis der kapitalistischen Verhältnisse sowie Ressentiments gegen Banken, Management und ‚die da oben‘. Doch Empörung und Anklage Einzelner allein haben die gesellschaftlichen Verhältnisse noch nie zum Besseren verändert, sondern im Gegenteil eher zu Rückschritt und Barbarei geführt. Kritische Untersuchung ökonomischer und politischer Zusammenhänge ist für gesellschaftliche Emanzipation daher unverzichtbar. Die Marx’sche Kritik der politischen Ökonomie wurde zwar im 19. Jahrhundert veröffentlicht, bietet aber nach wie vor eine der profundesten Analysen des Kapitalismus. Die Veröffentlichung des ersten Bandes des Kapitals feierte vorletztes Jahr sein 150 jähriges Jubiläum. Mit dem Lektürekurs wird in zentrale Begriffe von Marx eingeführt. Unter anderem interessieren folgende Fragen: Was unterscheidet Kapitalismus von früheren Gesellschaftsepochen? Was versteht Marx unter Ware, Wert, Geld und Kapital? Welche Bedeutung haben bei ihm Fetischismus, Klasse und Staat? Ab Anfang Februar 2019 wird einmal wöchentlich der erste Band des Marx’schen Kapital gelesen und diskutiert und so bis Ende November insgesamt erarbeitet. Der Kurs wendet sich vor allem an diejenigen, die in eine kollektive Auseinandersetzung mit der Marx’schen Kritik der politischen Ökonomie einsteigen möchten und keine größeren Vorkenntnisse haben. Dabei sollen alle Fragen erlaubt sein und Expert_innendebatten vermieden werden. Der Referent wird moderieren und einen Überblick über verschiedene Lesarten geben, jedoch keine allgemeingültige Interpretation präsentieren. Gewünscht ist gemeinsame Textaneignung und Diskussion.

Moritz Zeiler hat Geschichte und Politikwissenschaften studiert und ist Mitglied der Gruppe associazione delle talpe.

Eine Veranstaltung von associazione delle talpe in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Initiative – Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bremen.

Anmeldung bitte unter mail@talpe.org

 

Arbeitstitel

Vortrag und Performance mit Harriet Rabe (von Froreich)
Donnerstag, 28. Juni 2018, um 20 Uhr in Bremen
Galerie K‘, Alexanderstraße 9b, 28203 Bremen

## Diese Veranstaltung muss leider auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Die Referentin musste wegen persönlicher Umstände absagen.  ##

Sisyphus-Arbeit: Arbeit, die niemals fertig wird, ungeachtet dessen, wieviel Anstrengung, Kraft oder Mühe investiert wird. Die Tragik und Poetik des Mythos um Sisyphus liegt in der Unproduktivität, der Unerfüllbarkeit und Vergeblichkeit seines Handelns: Sisyphus mag sich im Aufstieg noch so abmühen, sein Fels rollt verlässlich den Berg wieder hinab.

In der Moderne, besonders mit Camus, wird Sisyphus als Sinnbild der conditio humana betrachtet: seine Tätigkeit selbst, das sich einer Aufgabe Unterwerfen, ist sinnstiftend. Dies bedeutet nichts weniger, als Arbeit einen (metaphysischen) Wert beizumessen. Wenn Sisyphus seinen Fels den Berg hinaufrollt, bringt er nicht nur die Ewigkeit performativ hervor, sondern auch sich selbst als Subjekt: “S. war S. nur wenn er den Felsen rührte.” (Ulla Hahn)

Wenn Sinnhaftigkeit in heutiger Arbeit fehlt, kann sie Urteile wie das des Anthropologen David Graeber hervorbringen. Er bezeichnet jene Arbeit als “bullshit jobs”, die so “sinnlos” ist, “dass sogar (sic!) die Person, die sie jeden Tag ausführt, sich selbst nicht überzeugen kann, dass es dafür einen guten Grund gäbe.” Im Englischen heißt das Ausführen “performing” und Leistung “performance”: Arbeit wird performed, doch bringt sie keine Subjekte mehr hervor. Was also wird hervorgebracht?

Der Abend widmet sich dieser Frage, und versteht sich als work-in-progress – Arbeit im Fortschritt.

Arbeitstitel Screen Shot Arbeitstitel Screen Shot

Eine gemeinsame Veranstaltung der Galerie K‘ und der Rosa-Luxemburg-Initiative – Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bremen.

Marx – Das Kapital. Aktualität und Grenzen

Vortrag und Gespräch mit Ulrike Herrmann und Sabine Nuss
Dienstag, 05. Juni 2018, um 19 Uhr in Bremen
Schwankhalle, Buntentorsteinweg 112/116, 28201 Bremen

Globalisierung, Automation, Finanzcrash, Klima, Armutsrevolten, Wachstumsschwäche – die multiple Krise der Weltwirtschaft, die wir durchleben, nimmt kein Ende. Warnungen über die explosiv wachsende Ungleichheit und Mutmaßungen über das Ende des Kapitalismus werden schon längst nicht mehr nur von stehengebliebenen Sozialisten, sondern unter den Eliten der Weltwirtschaftsgipfel diskutiert. Grund genug, ›Das Kapital‹ noch einmal gründlich zu lesen…

Vortrag von Ulrike Herrmann (Wirtschaftsjournalistin, die tageszeitung), Moderation von und Gespräch mit Dr. Sabine Nuss (Rosa-Luxemburg-Stiftung); im Rahmenprogramm zum Tanztheater von Michael Rettig in der Schwankhalle «Karl Marx… die Verhältnisse zum Tanzen zwingen» aus Anlass von 200 Jahren Karl Marx.

Marx200

Eine Veranstaltung der sch wa nk hal le in Kooperation mit der Arbeitnehmerkammer Bremen und der Rosa-Luxemburg-Initiative – Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bremen.

Massenpartei, Volkskrieg, Revolution?

Geschichte und Gegenwart der K-Gruppen. Im Gespräch mit Thomas Ebermann
Dienstag, 20. Februar 2018, um 19 Uhr in Bremen
Kulturzentrum Lagerhaus, Schildstraße 12-19, 28203 Bremen

Anfang der 70er Jahre greift ein Teil der linken Bewegung zu vermeintlich altbewährten Formeln. Die Neugründung der kommunistischen Partei soll helfen die Diktatur des Proletariats zu erkämpfen und den Kapitalismus zu überwinden. An diesem Konzept halten einige bis heute verbissen fest. Im Gespräch mit dem Publizisten Thomas Ebermann, der selbst in einer K-Gruppe organisiert war, wird dieses Phänomen diskutiert. Anlass für die Auseinandersetzung mit diesem Thema ist das schon seit einigen Jahren zu beobachtende Wiederaufkommen dogmatischer Gruppen, die anscheinend gerade auf einige Jüngere eine starke Anziehungskraft ausüben.

Thomas Ebermann, Fest der Linken 2017

Thomas Ebermann beim Fest der Linken 2017

Eine Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Initiative – Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bremen in Kooperation mit der AGB – Antifaschistische Gruppe Bremen.
Plakat und Flyer zur Veranstaltung als PDF zum Download: 180220-K-Gruppen-Plakat | 180220-K-Gruppen-Flyer.

Kritik des Kulturrelativismus. Warum wir fremde Kulturen nicht respektieren sollten – und die eigene auch nicht

Online-Diskussionsveranstaltung mit Sama Maani
Freitag, 20.04.2018, 20:00 Uhr
Galerie K`, Alexanderstr. 9b, 28203 Bremen

Noch vor wenigen Jahrzehnten bedeutete Weltoffenheit gegenüber Fremden, dass man ihnen signalisierte, sie seien ungeachtet ihrer Herkunft in unserer Gesellschaft willkommen. Fremdenfeindliche Ressentiments hingegen waren immer mit der Betonung der Herkunft der Angefeindeten verknüpft. Heute scheinen aber auch die Weltoffenen, wenn es um Fremde geht, nicht ohne ausdrückliche Betonung von deren Zugehörigkeit zu einer „anderen Kultur“ auszukommen. Mehr noch: Als Menschen mit „Migrationshintergrund“ werden Fremde ihrer Zugehörigkeit zu einer „fremden Kultur“ auch in den Folgegenerationen nicht los. Welches Konzept von Gesellschaft steckt hinter der Inflation des Begriffs „Kultur“ in der aktuellen Debatte („fremde Kultur“, „unsere Kultur“, „Leitkultur“, „Multikulturalität“ etc.)? Welche Art Unterschiede sollen „kulturelle“ Unterschiede denn sein? Und welche Konsequenzen haben sie? Gelten für Angehörige „anderer Kulturen“ andere Maßstäbe hinsichtlich Demokratie, Freiheit und Recht? Was wurde aus der Idee der Gleichheit aller Menschen?

Sama Maani geboren in Graz, Studium der Medizin in Wien und der Philosophie in Zürich. Lebt und arbeitet als Schriftsteller und Psychoanalytiker in Wien. 2004 Literaturpreis schreiben zwischen den kulturen. 2007 Österreichisches Staatsstipendium für das Romanprojekt Ungläubig (erschienen 2014). Weitere Veröffentlichungen: Respektverweigerung: Warum wir fremde Kulturen nicht respektieren sollten. Und die eigene auch nicht, 2015; . Der Heiligenscheinorgasmus und andere Erzählungen, 2016. Im Frühjahr 2018 erscheint der Roman Teheran Wunderland .

Eine Veranstaltung von associazione delle talpe in Kooperation mit Rosa-Luxemburg-Initiative – Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bremen.

Der Veranstaltungsort ist barrierefrei zugänglich.

 

 

 

Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Band 2-3

Wochenendseminar mit Valeria Bruschi und Antonella Muzzupappa
17.-18. November 2018
Infoladen, St. Pauli-Str. 10-12, 28203 Bremen

Mit dem Wochenendseminar soll ein Überblick über den Inhalt des zweiten und dritten Bandes des Kapitals. Kritik der politischen Ökonomie von Karl Marx gegeben werden. Dabei werden einleitend die Marxschen Ausführungen zum Produktionsprozess aus dem ersten Band des Kapitals skizzenhaft wiederholt werden. Anschließend werden die Überlegungen zum Zirkulationsprozess und zum Gesamtprozess der kapitalistischen Produktion präsentiert und wichtige Begriffe wie Kredit, Zins, Rente und Profit vorgestellt. Kenntnisse des ersten Bands des Kapitals sind für die Teilnahme empfehlenswert. Das Seminar versteht sich als ein Angebot an alle, die Interesse haben, ihre Kenntnisse der Marxschen Ökonomiekritik zu vertiefen. Desweiteren dient es als Ergänzung zum Lektürekurs 2016 zum ersten Band des Kapitals.

Valeria Bruschi betreut in Berlin seit mehreren Jahren die jährlichen Lektürekurse der Rosa-Luxemburg-Stiftung zu den drei Bänden des Marxschen Kapital. Antonella Muzzupappa ist Referentin der RLS zum Thema Kritik der politischen Ökonomie.

Das Wochenendseminar wird organisiert von der associazione delle talpe in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Initiative – Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bremen.

Der Veranstaltungsort ist barrierefrei zugänglich, die Toilette leider nicht.

Anmeldung bitte unter talpe@riseup.net

NACHHOLTERMIN: Kritik des Patriarchats. Was ist materialistischer Feminismus?

Nachholtermin: Diskussionsveranstaltung mit Koschka Linkerhand
Donnerstag, 08. November 2018, 20 Uhr
Kulturzentrum Kukoon, Buntentorsteinweg 21, 28201 Bremen

Eine Veranstaltung der Reihe intros. Einführungen in kritische Gesellschaftstheorie

Wir leben in einer neoliberalen Zeit, in der Geschlecht wie auch Lohnarbeit als immer flexibler erscheinen und vielfältige Frauenbilder präsent sind. Andererseits verstärkt sich der antifeministische Backlash, der Selbstverständlichkeiten wie die Möglichkeit zur Abtreibung wieder in Frage stellt. Während seit den 90ern der queere Feminismus der Vielfalt für viele die richtigen Antworten geboten hat, finden sich Feministinnen zunehmend auf ihre patriarchal hergestellte Weiblichkeit zurückgeworfen. Da diese alle Frauen in ihren Lebens- und Glücksmöglichkeiten entscheidend gleichmacht, liegt es nahe, das Frausein wieder zu politisieren. Wie lässt sich ein materialistischer Feminismus bestimmen, der für Frauen kämpft, ohne die Differenzen und Widersprüche zwischen ihnen zu vernachlässigen? Wie lässt sich die reale Vielfalt mit feministisch-materialistischer Gesellschaftstheorie vermitteln, die historisch gewachsene und strukturelle Benachteiligungen erfasst? Welche feministischen Felder müssen neu erobert und verteidigt werden – zwischen politischer Nüchternheit und revolutionärer Hoffnung?

Koschka Linkerhand lebt in Leipzig und ringt um einen materialistischen Feminismus in Theorie, pädagogischer Praxis und schöner Literatur.

Eine Veranstaltung von associazione delle talpe in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Initiative – Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bremen.

Der Veranstaltungsort ist barrierefrei zugänglich.

 

Kritik des Staates. Einführung in materialistische Staatskritik

Diskussionsveranstaltung mit Moritz Zeiler
Freitag, 06. April 2018, 20 Uhr
Kulturzentrum Kukoon, Buntentorsteinweg 21, 28201 Bremen

Eine Veranstaltung der Reihe intros. Einführungen in kritische Gesellschaftstheorie

Die Analysen des Staates gehen in der Linken weit auseinander. Das Spektrum der Interpretationen reicht von der Idealisierung bis zur Dämonisierung, von der Übernahme des Staates bis zu seiner Abschaffung. Während der Staat für die einen als Garant des Allgemeinwohls gilt, betrachten ihn andere als das Instrument der kapitalistischen Klassenherrschaft und wieder andere sehen in ihm das Terrain sozialer Kämpfe. In seiner Einführung präsentiert Moritz Zeiler die zentralen Thesen marxistischer Theorie zum Staat: Die fragmentarischen Überlegungen bei Marx und Engels, die instrumentelle Staatstheorie bei Lenin, die Hegemonietheorien des Westlichen Marxismus von Gramsci, Althusser und Poulantzas sowie die Analysen von Paschukanis zum Verhältnis von Warenform, Rechtsform und Staatsform und später daran anknüpfende Arbeiten von Agnoli, Hirsch, Holloway und anderen. Zuletzt wird diskutiert, dass die Linke kein Monopol auf die Kritik des Bürgerlichen Staates besitzt. Angriffe auf bürgerliche Rechte und parlamentarische Demokratie aus konservativen bis faschistischen Kreisen sind keine reinen Krisenphänomene, sondern stellen die Linke permanent vor Herausforderungen.

Moritz Zeiler hat Geschichte und Politikwissenschaften studiert. Veröffentlichungen: Materialistische Staatskritik. Eine Einführung, Stuttgart 2017 sowie zusammen mit associazione delle talpe Herausgabe der Textsammlung Staatsfragen. Einführungen in die materialistische Staatskritik, Berlin 2009.

Eine Veranstaltung von associazione delle talpe in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Initiative – Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bremen.

Der Veranstaltungsort ist barrierefrei zugänglich.

 

 

Kritik des Rassismus

Diskussionsveranstaltung mit Andreas Peham
Freitag, 16. März 2018, 20 Uhr
Infoladen, St. Pauli-Str. 10-12, 28203 Bremen

Eine Veranstaltung der Reihe intros. Einführungen in kritische Gesellschaftstheorie

Eine psychoanalytisch orientierte Kritik kann wichtige Beiträge zum Verstehen des Rassismus liefern. Sie stößt aber auch an Grenzen: Solche Ansätze laufen Gefahr, sich der Entpolitisierung durch Psychologisierung schuldig zu machen, etwa durch die Reduktion der Ursachen eines sozialen und politischen Phänomens auf dessen individuelle Aspekte. Rassismus erscheint dann nicht länger als ein ständig sich wandelndes soziales (Macht-/Gewalt-)Verhältnis, dessen Strukturen die Wahrnehmung des fremd gemachten Anderen maßgeblich prägen. Vielmehr wird Rassismus auf persönliche Vorurteile reduziert, die dann durch Aufklärung über diese Anderen (leicht) zu korrigieren seien. Dennoch ist auch in der Rassismuskritik am Postulat einer „Wendung auf das Subjekt“ (Theodor W. Adorno) fest zu halten – nicht zuletzt gegen ökonomistische Ansätze, welche sich nur für die Herrschaft stabilisierenden Funktionen des Rassismus interessieren. Tatsächlich lässt sich Rassismus auf verschiedenen (in der Realität nie voneinander zu trennenden) Ebenen analysieren: auf individueller/persönlicher, politisch/rechtlicher und sozialer/ökonomischer Ebene. Die jeweils greifenden Erklärungen sollten nicht gegeneinander ausgespielt, sondern vielmehr in einer Art „Ergänzungsreihe“ (Sigmund Freud) angeordnet werden. Die Einführung legt ihren Schwerpunkt auf eine sozialpsychologisch orientierte Rassismuskritik und stellt deren zentrale Thesen vor. Besonders der Begriff der (pathischen) Projektion soll dabei erläutert werden. Welche Rolle spielen unbegriffene subjektive Konflikte und ausbleibende Reflexion? Was sind die Zusammenhänge von Rassismus und dem Bedürfnis nach (nationaler) Gemeinschaft und Abgrenzung? Inwiefern lassen sich dabei Analysen der Kritischen Theorie über Antisemitismus auf die Kritik des Rassismus übertragen? Wo liegen dabei die Grenzen?

Andreas Peham arbeitet im Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW), Abteilung Rechtsextremismusforschung. Er war langjähriger Berichterstatter für das Stephen Roth Institute for the Study of Contemporary Antisemitism and Racism an der Universität Tel Aviv und ist Gründungsmitglied der Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit (www.fipu.at). Seit Ende der 1990er Jahre ist er in der Lehrer_innenfortbildung und in der politischen Bildung an Schulen tätig. Demnächst erscheint von ihm der Einführungsband Kritik des Antisemitismus in der Reihe theorie.org im Schmetterling Verlag.

Eine Veranstaltung von associazione delle talpe in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Initiative – Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bremen.

Der Veranstaltungsort ist barrierefrei zugänglich, die Toilette leider nicht.

 

Lektürekurs zu Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Band 1

Wöchentlicher Lektürekurs mit Moritz Zeiler 
Kursbeginn 05. Februar 2018 / Jeweils Montag / 19.15 – 21.15 Uhr
Infoladen / St. Pauli-Str. 10-12 / 28203 Bremen

Seit der Krise 2008ff wird vermehrt Kritik am Kapitalismus laut. Dabei überwiegt meist ein undeutliches Verständnis der kapitalistischen Verhältnisse sowie Ressentiments gegen Banken, Management und ‚die da oben‘. Doch Empörung und Anklage Einzelner allein haben die gesellschaftlichen Verhältnisse noch nie zum Besseren verändert, sondern im Gegenteil eher zu Rückschritt und Barbarei geführt. Kritische Untersuchung ökonomischer und politischer Zusammenhänge ist für gesellschaftliche Emanzipation daher unverzichtbar. Die Marx’sche Kritik der politischen Ökonomie wurde zwar im 19. Jahrhundert veröffentlicht, bietet aber nach wie vor eine der profundesten Analysen des Kapitalismus. Die Veröffentlichung des ersten Bandes des Kapitals feierte letztes Jahr sein 150 jähriges Jubiläum.  Mit dem Lektürekurs wird in zentrale Begriffe von Marx eingeführt. Unter anderem interessieren folgende Fragen: Was unterscheidet Kapitalismus von früheren Gesellschaftsepochen? Was versteht Marx unter Ware, Wert, Geld und Kapital? Welche Bedeutung haben bei ihm Fetischismus, Klasse und Staat? Ab Anfang Februar 2018 wird einmal wöchentlich der erste Band des Marx’schen Kapital gelesen und diskutiert und so bis Ende November insgesamt erarbeitet. Der Kurs wendet sich vor allem an diejenigen, die in eine kollektive Auseinandersetzung mit der Marx’schen Kritik der politischen Ökonomie einsteigen möchten und keine größeren Vorkenntnisse haben. Dabei sollen alle Fragen erlaubt sein und Expert_innendebatten vermieden werden. Der Referent wird moderieren und einen Überblick über verschiedene Lesarten geben, jedoch keine allgemeingültige Interpretation präsentieren. Gewünscht ist gemeinsame Textaneignung und Diskussion.

Moritz Zeiler hat Geschichte und Politikwissenschaften studiert und ist Mitglied der Gruppe associazione delle talpe.

Bremen_Marx_Plakat_2018

Der Lektürekurs wird in Kooperation organisiert von associazione delle talpe, Rosa-Luxemburg-Initiative Bremen und Rosa-Luxemburg-Stiftung – Akademie für politische Bildung Berlin.

Anmeldung bitte unter talpe@riseup.net
Infos unter: associazione.wordpress.com // das-kapital-lesen.de // rosa-luxemburg.com

Schatten der Vergangenheit: Kriegs­traumata, Nazi-Erziehung & wir

Vortrag und Diskussion mit Anja Röhl
Freitag, 8. Dezember 2017, um 19 Uhr in Bremen
Kulturzentrum Kukoon, Buntentorsteinweg 29, 28201 Bremen

Reihe Das Erbe der NS-Erziehung, am 07. und 08.12.2017 in Bremen

Die Prinzipien der Nazi-Erziehung sind eindrücklich beschrieben worden, zuerst von Erika Mann (bereits 1938, auf deutsch übersetzt erst in den 1980er Jahren), dann von Sigrid Chamberlain, später von Sabine Bode und anderen Autorinnen. Die Erkenntnis, dass nämlich die Wirkung der Nazi-Erziehung auf die betreffende Generation Kinder und Jugendlicher über­aus schädlich war, insbesondere mit der späteren Ver­mischung dieser Grundlagen mit den Kriegstraumata und den Nachkriegserfahrungen, das alles kommt erst allmählich ins öffentliche Bewusstsein.

Die betreffenden Generationen bestimmten zwischen 1949 und 1989 in beiden deutschen Staaten Gesellschaft und Politik entscheidend, denn haupt­säch­lich prägten sie diese Zeit und drückten ihr ihren Stempel auf. Wie hier die Nazi-Erziehung wirkte, wie sie verdrängt, verborgen gehalten, unterdrückt, aber unzweifelhaft wirksam war und auf welche Weise, das ist Inhalt der wissenschaftlichen Untersuchungen und Vorträge von Anja Röhl. Die NS-Erziehung konnte weitere Generationen hindurch wirksam werden wie ein schleichendes Gift, und beeinflusst unsere Auffassung vom Kind und unsere Pädagogik bis heute.

Anja Röhl, Berlin, ist Autorin und Journalistin im Bereich Theater, Psychologie, Feminismus und Politik.

Plakat Reihe Das Erbe der NS-Erziehung

Eine gemeinsame Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Initiative – Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bremen mit dem Bremer Arbeitskreis Psychosoziale Krise und der DGB-Jugend Oldenburg-Ostfriesland.
Der Flyer zur Veranstaltung als PDF zum Download: 1712-Reihe Das Erbe der NS-Erziehung.

Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind

Vortrag und Diskussion mit Sigrid Chamberlain
Donnerstag, 7. Dezember 2017, um 19 Uhr in Bremen
Kulturzentrum Kukoon, Buntentorsteinweg 29, 28201 Bremen

Reihe Das Erbe der NS-Erziehung, am 07. und 08.12.2017 in Bremen

Adolf Hitler forderte bereits in »Mein Kampf«, daß schon in der »frühesten Kindheit … die notwendige Stählung für das spätere Leben« zu erfolgen habe. Durch gründliche Ausbildung der Mütter müsse es möglich sein, »in den ersten Jahren des Kindes eine Behandlung herbeizuführen, die zur vorzüglichen Grundlage für die spätere Entwicklung dient.«

Mit dieser »späteren Entwicklung« ist vor allem das nahtlose Sich-Ein­fügen in die Ideologie und die Institutionen des NS-Staates gemeint. Darum geht es ausdrücklich auch der Ärztin Johanna Haarer, deren Bücher »Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind« und »Unsere kleinen Kinder« in vielen Familien während des Dritten Reiches und in den Jahren danach zur Richtschnur für den Umgang mit Babys und Kleinkindern wurden. Nationalsozialistische Erziehung, basierend auf den sehr genauen Anweis­ungen von Haarer, war vor allem eine Er­ziehung durch Bindungs­losig­keit zur Beziehungs­unfähig­keit. Es liegt auf der Hand, dass nur der an keinerlei Werte und Moral, an kein Gewissen und an keinen Menschen gebundene faschistische Typus auch jederzeit für jeden Zweck und jedes Ziel einsetzbar war.

Es ist an der Zeit, sich auch mit diesem Erbe des National­sozialismus aus­ein­an­der­zusetzen, mit der Tatsache nämlich, dass der Großteil der im Dritten Reich und in den Nachkriegs­jahren Geborenen ins Leben ent­lassen wurde mit frühen national­sozialis­tischen Prägungen, ohne sich jemals dieser Tatsache und ihrer möglichen Folgen bewusst gewor­den zu sein. Sigrid Chamberlain hat das destruktive Werk der Johanna Haarer bis in die Details untersucht und in ihrem Buch zum Thema anschaulich die katastrophalen Folgen für diejenigen offengelegt, die dieser Erziehungspraxis ausgesetzt waren. Die Veranstaltung ist eine Zusammenfassung ihrer wichtigsten Erkenntnisse.

Sigrid Chamberlain, geboren 1941, beschäftigte sich einen Großteil ihres Lebens mit dem Thema Erziehung: Sie hat als Sozialarbeiterin, Sozialpädagogin in Kinderheimen, Obdachlosensiedlungen und in einer Krabbelstube gearbeitet sowie zwei eigene Kinder und ein Pflegekind erzogen. Im Psychosozial-Verlag ist von ihr das Buch »Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind. Über zwei NS-Erziehungsbücher« erschienen. Sigrid Chamberlain ist verheiratet und lebt in Frankfurt am Main.

Plakat Reihe Das Erbe der NS-Erziehung

Eine gemeinsame Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Initiative – Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bremen mit dem Bremer Arbeitskreis Psychosoziale Krise und der DGB-Jugend Oldenburg-Ostfriesland.
Der Flyer zur Veranstaltung als PDF zum Download: 1712-Reihe Das Erbe der NS-Erziehung.

Angst- statt Sicherheitspolitik

Aufrüstungs-, Abwehr- und Kriegsreflexe angesichts von Terroranschlägen und „Flüchtlingsflut“
Vortrag und Diskussion mit Rolf Gössner
Mittwoch, 5. April 2017, um 19 Uhr in Bremen
Villa Ichon, Goetheplatz 4, 28203 Bremen (Saal 5, erster Stock)

„Angst ist das Schmieröl der Staatstyrannei“ – es ist diese bittere Erkenntnis, die darauf verweist, dass eine „Sicherheitsheitspolitik“, die auf Verunsicherung und Angst gründet, auch als Herrschaftsinstrument nutzbar ist. Die Anschläge von 9/11 haben als Reaktion weltweit eine Gewaltwelle ausgelöst, die zu Krieg und Terror, Folter und Elend führte. Hierzulande sind gleich paketweise Antiterror-Gesetze in Kraft getreten, mit denen das Straf- und Strafprozessrecht sowie präventive Polizei- und Geheimdienst-Befugnisse gehörig ausgeweitet und verschärft worden sind.

Diese fatalen Aufrüstungsreflexe haben sich nach den vermehrten Terrorwarnungen und –anschlägen der vergangenen Jahre noch erheblich verschärft – im Namen der Sicherheit, mit Sicherheit aber zu Lasten von Grund- und Freiheitsrechten. Nach über 15 Jahren staatlichem Antiterrorkampf wird Rolf Gössner (Rechtsanwalt/Publizist, Vorstandsmitglied der Internationalen Liga für Menschenrechte) Bilanz darüber ziehen, was sich wie verändert hat und wo die Reise hingeht. Er erläutert den Prozess der Entgrenzung staatlicher Macht, der Militarisierung der „Inneren Sicherheit“, der Zentralisierung und Vernetzung von Sicherheitsbehörden – und er zeigt die verhängnisvollen Konsequenzen dieser Entwicklung auf.

Rolf Gössner versucht, Antworten auf existentielle Fragen zu finden: Befinden wir uns auf dem Weg in einen präventiv-autoritären Sicherheitsstaat im permanenten Ausnahmezustand, der eine liberale und offene Gesellschaft allmählich unterhöhlt? Vertrauen wir den vollmundigen Sicherheitsversprechen politischer Hardliner und dulden dabei eine fortschreitende Demontage des Völkerrechts, der Menschen- und Bürgerrechte und des demokratischen Rechtsstaats? Nicht zuletzt fragt der Referent nach den verdrängten Ursachen und Bedingungen von Terror und Flucht – und damit nach der dunklen Kehrseite unserer westlichen Werte – sowie nach Möglichkeiten ursachenorientierter Lösungsansätze statt bloßer Symptombehandlung.

Rolf Gössner bei der Freedom not Fear, Berlin 2014. Von Dirk Ingo Franke, CC-BY-SA 4.0

Rolf Gössner bei der Freedom not Fear, Berlin 2014. Von Dirk Ingo Franke – Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0

Dr. Rolf Gössner ist Anwalt und Publizist in Bremen sowie Vorstandsmitglied der Internationalen Liga für Menschenrechte (Berlin). Sachverständiger in Gesetzgebungsverfahren von Bundestag und Landtagen. Mitherausgeber des „Grundrechte-Report. Zur Lage der Bürger- und Menschenrechte in Deutschland“ (Fischer-TB); als solcher ausgezeichnet mit der Theodor-Heuss-Medaille; ferner mit dem Kölner Karlspreis für engagierte Literatur sowie dem Bremer Kultur- und Friedenspreis der Villa Ichon. Autor zahlreicher Bücher zum Thema Innere Sicherheit und Bürgerrechte, u.a.: „Menschenrechte in Zeiten des Terrors. Kollateralschäden an der ‚Heimatfront’“, Hamburg 2007; und zusammen mit Conrad Schuhler: „Terror. Wo er herrührt. Wozu er missbraucht wird. Wie er zu überwinden ist“, isw-München 2016.

Moderation: Norbert Schepers, Politikwissenschaftler und Leiter des Bremer Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Eine Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Initiative – Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bremen, unterstützt vom Bremer Friedensforum, Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF) – Regionalgruppe Bremen und weiteren Organisationen.

Das Flugblatt zur Veranstaltung als PDF zum Download: 170405 VA-Flyer Angstpolitik Goessner.

Der Text zur Veranstaltung:

Rolf Gössner:
Angst- statt Sicherheitspolitik
Aufrüstungs-, Abwehr und Kriegsreflexe angesichts von Terroranschlägen und „Flüchtlingsflut“ – Nichts gelernt in Sachen Flucht- und Terrorursachen…

Zuerst veröffentlicht in:
Terror: wo er herrührt; wozu er missbraucht wird; wie er zu überwinden ist
isw-spezial 29, Dezember 2016
Institut für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung e.V., München

Download der Broschüre als PDF: Goessner-Schuhler-isw-spezial-29-2016