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Die Antiquiertheit der Frau

10. September | 19:00 - 21:00

Vom Verschwinden des feministischen Subjekts
Buchvorstellung und Diskussion mit Sara Rukaj
Samstag, 10. September 2022, um 19 Uhr in Bremen, Galerie K‘ im Ostertor-Viertel

Rund fünfzig Jahre nachdem die Frauen- und 68er-Bewegung sich die politische, soziale und sexuelle Emanzipation auf die Fahnen geschrieben hat, ist von diesen Versprechungen nur noch die Kümmerform eines geschlechterpolitischen Identitätenbaukastens geblieben, aus dem sich die vereinzelten Individuen immer wieder neu zusammenflicken sollen. Die frohe Botschaft lautet fortan: Wir kennen keine Parteien, Klassen, Geschlechter mehr und setzen stattdessen auf den fluiden und zukunftstüchtigen Menschen im Flechtwerk seiner „kulturellen Beziehungen“. Auch alte Begrifflichkeiten werden abgelegt: in bemüht-progressiven Kreisen wird die Frau in Anführungszeichen geführt, wenn sie nicht gleich hinter den Bezeichnungen FLINTA*, „Person mit Uterus“ oder „Co-Elternsteil“ verschwindet. War man früher geübt in der Neutralisierung von Personen als Trägern einer spezifischen Funktion, so lernen wir heute, sie zu sexualisieren. Bei Männern, die ungebrochen für den Normalfall stehen, vollzieht sich dieser Prozess verallgemeinernd und unter Absehung ihrer eigentümlichen Männlichkeit. Frauen hingegen werden als relationales Gut betrachtet, gewertet und fein säuberlich dekonstruiert, bis nichts mehr von ihnen übrigbleibt. Nur wie möchte man künftig männliche und weibliche Rollen untersuchen, wenn Geschlecht keinen realen Bezugspunkt hat?

In unsystematischen Essays thematisiert der Band Die Antiquiertheit der Frau – Vom Verschwinden des feministischen Subjekts (Edition Tiamat) Spielfelder progressiver Regression und sucht Antworten auf die Frage, wie es dazu kommen konnte, dass Bewegungen, die einmal die sexuelle Emanzipation für sich proklamierten, zu misogynen und homophoben Zivilgesellschaftsverbänden regredieren konnten, die noch die archaischsten patriarchalen Praktiken innerhalb des Islams als kulturelle Andersartigkeit hofieren. Im Mittelpunkt stehen dabei die Erkenntnisse aus Psychoanalyse, Kritischer Theorie und Sexualwissenschaften und die Geschichte der Zweiten Frauenbewegung, deren Überaffirmation des „genuin“ weiblichen Erlebens und reaktionäre Öko-Romantik nur die Kehrseite der queer-feministischen Rebellion gegen die erste (Körper)-Natur ist.

Sara Rukaj, 1992 in Wien geboren, lebt in Frankfurt am Main und hat Literatur, Philosophie und Psychologie studiert. Als freie Autorin schreibt sie u.a. für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die jungle World.

Titelbild Sara Rukaj - Die Antiquiertheit der Frau (Edition Tiamat)

Sara Rukaj – Die Antiquiertheit der Frau (Edition Tiamat)

Veranstalter:innen:
Galerie K‘, Rosa-Luxemburg-Initiative – Rosa-Luxemburg-Stiftung Bremen

Details

Datum:
10. September
Zeit:
19:00 - 21:00

Veranstaltungsort

Galerie K‘
Alexanderstraße 9b
Bremen, Bremen 28203 Deutschland
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