Antworten aus der feministischen Ökonomie auf die globale Wirtschafts- und Finanzkrise

Dokumentation der Friedrich-Ebert-Stiftung zu einer Tagung im Sommer 2009, erschienen im Oktober 2009
Hier als PDF 56 Seiten
Aus dem Vorwort: „Im Sommer 2009 veranstaltete ein breites Bündnis von Frauen aus Wissenschaft und Gesellschaft ein Symposium, um nach Antworten der feministischen Ökonomie auf die Krise zu suchen. Die Dokumentation dieser Veranstaltung liegt hiermit vor.
Auslöser war die Beobachtung, dass Frauen in der gegenwärtigen Analyse der Finanz- und Wirtschaftskrise kaum auftauchen. Zunächst rein optisch ist die Szene der Banker, Wirtschaftsexperten, Politiker und Lobbyisten fast ausschließlich männlich besetzt. Und auch in den Lösungsmöglichkeiten, die diskutiert werden, spielt das Geschlechterverhältnis keine Rolle. Dabei geht es um nichts weniger als die Bewältigung der größten Finanz- und Wirtschaftskrise seit 80 Jahren, die die Menschen weltweit bedroht und somit alle, ob Frauen oder Männer, in Haftung nimmt:
kollektiv über Staatsgarantien, Rettungsschirme für Banken und öffentliche Konjunkturprogramme ungekannten Ausmaßes und individuell etwa durch den Verlust des Arbeitsplatzes, des Hauses, der Geldanlagen.
Was dabei unbeachtet bleibt, sind die geschlechtsspezifischen Dimensionen der gegenwärtigen Krise und die unterschiedlichen Auswirkungen der staatlichen Maßnahmen auf Frauen und Männer. Diesen Mangel untersucht die feministische Ökonomie. Darüber hinaus befasst sie sich auch mit wirtschaftstheoretischen Fragestellungen, die neue Perspektiven in der Krisenbewältigung eröffnen. Ein zentraler Aspekt ist dabei der ökonomische Zusammenhang zwischen der geldvermittelten Wirtschaft und der unbezahlten Arbeit sowie die Neubewertung der Care Arbeit zur Produktion des Lebensstandards. Care Arbeit bezeichnet die bezahlten wie auch unbezahlten personenorientierten Versorgungsleistungen, die zum größten Teil von Frauen geleistet werden.
In der öffentlichen Diskussion herrscht zur Zeit eine neue Offenheit für alternative ökonomische Konzepte und damit für Querdenkerinnen und Querdenker. Das Motto der Weltsozialgipfel, „eine andere Welt ist möglich“, formuliert nicht mehr nur eine kleine Minderheit von Globalisierungskritikerinnen und -kritikern, sondern ist die Hoffnung vieler – auch in den westlichen Industriestaaten, die von der gegenwärtigen Weltordnung stark profi tierten. Eine andere Welt müsste in jedem Fall auch geschlechtergerecht sein.“ ….