testArbeitsanalyse und Selbstbestimmung. Zur Bedeutung und Aktualität von „Socialisme ou Barbarie“

(Abstract:) Die Dissertation behandelt die Arbeitsanalysen der französischen politischen Gruppe Socialisme ou Barbarie (1949-1967), deren bekannteste Mitglieder Cornelius Castoriadis, Claude Lefort und Jean-François Lyotard waren. Die Gruppe entwickelte dieses Konzept in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts und verstand es als integralen Teil ihrer Analysen des Kapitalismus in Ost und West. Die Gruppe wollte damit den verborgenen Spuren der Selbstorganisation der
Arbeitenden auf die Spur kommen. Dabei ging Socialisme ou Barbarie von der theoretischen Annahme aus, daß die widersprüchliche bürokratische Organisation der Arbeit gleichzeitig die Partizipation (den Einschluß) und den Ausschluß der Subjekte erfordert. Diese Studie ist die erste ausführliche deutschsprachige Darstellung von Socialisme ou Barbarie; daher rekonstruiert das erste Kapitel detailliert ihren historischen Entwicklungsprozeß. Ein weiteres Kapitel behandelt die theoretischen, meist von Castoriadis formulierten Vorstellungen zum bürokratischer Kapitalismus, zur autonomen Gesellschaft und zu seinem Ende der 1950er eingeleiteten Bruch mit dem Marxismus. Das zentrale Kapitel befaßt sich mit den Arbeitsanalysen von Socialisme ou Barbarie. Durch die Analyse des kapitalistischen Arbeitsalltag mit qualitativen, höchst authentischen Methoden der InƯformationsgewinnung versuchte Socialisme ou Barbarie eine Arbeitsforschung in revolutionärer Zielsetzung zu entwickeln. Im Zentrum stand dabei das Sammeln von Zeugenberichten proletarischer Erfahrungen und ihre Auswertung durch ihre Autoren selbst (témoignages). Diese témoignages sind dichte Beschreibungen des Arbeitsalltags und der Arbeitserfahrungen.
Keywords: Arbeitsgeschichte, Frankreich, Neue Linke
Autorin: Gabler, Andrea
(hier kostenlos als PDF, 1,7 MB)
Im Hannoveraner Offizin Verlag ist unter dem Titel Antizipierte Autonomie 2009 eine Buchfassung erschienen.
Für Anfang 2011 ist im Bildungsprogramm der RLI eine Abendveranstaltung mit Andrea Gabler in Vorbereitung.

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