testLebensmitteltafeln als Reparaturbetrieb der Gesellschaft? Existenzunterstützende Freiwilligenangebote als Sackgasse der sozialen Frage

Freitag, 23. September 2011, 19:30 Uhr, St. Michaelis Gemeindehaus, Doventorsteinweg 51, 28195 Bremen

Mit Prof. Dr. phil. Stefan Selke, Hochschule Furtwangen University.

Anschließend Diskussion: „Kann das Bedingungslose Grundeinkommen ein Ausweg sein?“

In seinem Vortrag setzt sich Prof. Dr. Stefan Selke kritisch mit den Lebensmitteltafeln und ähnlichen existenzunterstützenden Angeboten in Deutschland auseinander. Zwei seiner Hauptthesen lauten, dass durch die Tafeln – im Namen der Barmherzigkeit – Armut verstetigt und mit ihr das Geschäft der privaten Fürsorge-Industrie größer wird. Die Analyse der Tafellandschaft und deren Entwicklung zeigen, dass die soziale Absicherung vieler Menschen immer mehr aus dem Aufgabenbereich der Gesellschaft bzw. des Staates in den Bereich des Privaten und des Ehrenamts gedrängt wird. Im Feld der Tafeln existieren Interessenskonflikte und Grenzen der guten Tat. Brauchen wir neue Leitbilder für die soziale Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit? Kann das BGE eine Antwort sein und die Armut wirkungsvoll bekämpfen?

Grundlage der Arbeit von Prof. Selke ist die Frage nach den Chancen und Risiken menschlicher, insbesondere menschenwürdiger Existenz unter den Bedingungen technologischen, medialen, kulturellen und gesellschaftlichen Wandels. Seit 2006 ist sein zentrales Arbeitsfeld die gesellschaftskritische Begleitung der Tafelbewegung in Deutschland. Seine Sozialreportage über die Tafelbewegung, ,,Fast ganz unten“, löste einen umfassenden Diskurs über Seiteneffekte der Tafelbewegung aus. Dies führte zu einem Paradigmenwechsel in der öffentlichen Wahrnehmung der Tafeln sowie einer umfassenden Kritik an der privatisierten Sozialindustrie. Aktuell arbeitet Prof. Selke am Forschungsprojekt ,,Tafel-Monitor: Transformation der Lebensmitteltafeln und ähnlicher existenzunterstützender Angebote im institutionellen Spannungsfeld zwischen Angebot und Nachfrage“. Für dieses Projekt werden auch in Bremen Interviews durchgeführt.

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.tafelforum.de

Link zur ersten kritischen Analyse von Tafeln: „Fast ganz unten. Wie man in Deutschland durch die Hilfe von Lebensmitteltafeln satt wird“: http://www.dampfboot-verlag.de/buecher/754-6.html

Link zu den kritischen Tafel-Sammelbänden (wissenschaftliche Anthologien): http://www.vs-verlag.de/Autor/a_20649/Selke.html

In Kooperation mit dem Bremer Initiativkreis Grundeinkommen und attac Bremen. An der Bremer Woche des Grundeinkommens beteiligen sich u.a. ver.di Bremen/Niedersachsen, die Bremische Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau (ZGF), die Evangelische Kirche Bremen/ St.-Stephani-Kirche, die Zentralbibliothek Bremen und die Stadtbibliothek West.

Flyer Woche des Grundeinkommens 2011 als PDF.


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