{"id":101,"date":"2008-02-29T20:00:55","date_gmt":"2008-02-29T18:00:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/?p=120"},"modified":"2008-02-29T20:00:55","modified_gmt":"2008-02-29T18:00:55","slug":"staat-und-globalisierung-zur-aktualitaet-materialistischer-staatskritik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/test\/veranstaltung\/2008\/staat-und-globalisierung-zur-aktualitaet-materialistischer-staatskritik\/","title":{"rendered":"Staat und Globalisierung. Zur Aktualit&#228;t materialistischer Staatskritik"},"content":{"rendered":"<p><strong>Podiumsdiskussion am Freitag 29. Februar 2008 \/ 20 Uhr; Tagesseminar  am Samstag 1. M\u00e4rz 2008 \/ 12 \u2013 19 Uhr<br \/>\nBeide Veranstaltungen im Infoladen Bremen, St.-Pauli-Str. 10-12, 28203 Bremen  <\/strong><\/p>\n<p><strong>mit Ingo Elbe (rote ruhr uni Bochum) \/ Ingo St\u00fctzle (Berlin) \/ Heide Gerstenberger (Universit\u00e4t Bremen)<\/strong><\/p>\n<p>In den aktuellen Debatten um Globalisierung wird meist eine Transformation staatlicher Souver\u00e4nit\u00e4t und eine Verlagerung hin zu supranationalen Institutionen wie IWF, WTO, Weltbank etc. konstatiert. Globalisierungskritische Akteur_innen wie nicht nur  attac fordern vor diesem Hintergrund  eine st\u00e4rkere staatliche Intervention und Regulation \u00f6konomischer Prozesse. Aber auch antirassistische und linksradikale Globalisierungskritiker_innen beziehen sich mit ihren Forderungen nach \u201eglobalen sozialen Rechten\u201c wie dem Recht auf Bewegungsfreiheit, Recht auf Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t, Existenzgeld etc. auf einen staatlichen Souver\u00e4n, den es zur Gew\u00e4hrung und zuk\u00fcnftigen Garantie dieser erw\u00fcnschten Rechte bedarf. <!--more-->Die Kritik der \u201eSozialstaatsillusion\u201c initiierte in den 1970er Jahren in Westdeutschland die Staatsableitungsdebatte um die Formbestimmung des b\u00fcrgerlichen Staates. Angesichts der idealistischen Vorstellung vieler Globalisierungskritiker_innen, der Staat habe dem Allgemeinwohl zu dienen, woran die herrschenden Staatschef_innen bei den diversen Gipfeltreffen stets erinnert werden, scheint die Frage nach der Formanalyse des Staates nach wie vor aktuell. Aber auch an der auf Lenin zur\u00fcckgehenden Interpretation vom \u201eStaat als Instrument der herrschenden Klasse\u201c liefert die Ableitungsdebatte eine fundierte Kritik. Nach der Argumentation der Formanalyse bedarf die Warenproduktion und \u2013zirkulation der gegenseitigen Anerkennung der warenproduzierenden Individuen als freie und gleiche Privateigent\u00fcmer_innen. Als allgemeiner Souver\u00e4n garantiert der Staat  mittels seines Gewaltmonopols das Recht seiner Staatsb\u00fcrger_innen ebenso wie das Eigentum an Produktionsmitteln. Als \u201eStaat des Kapitals\u201c (Agnoli) dient er der Garantie der Reproduktion kapitalistischer Verh\u00e4ltnisse im allgemeinen (was in konkreten F\u00e4llen auch den Interessen einzelner Kapitalist_innen und Kapitalfraktionen widersprechen kann) und ist kein blo\u00dfes Instrument weniger m\u00e4chtiger Monopolherrn. Liegt der Fokus der Formanalyse auf der abstrakten Bestimmung des Staats aus der Waren- und Rechtsform, so konzentriert sich Poulantzas in seinem Buch \u201eStaatstheorie\u201c auf soziale K\u00e4mpfe und Klassen und ihrer Bedeutung f\u00fcr den Staat. Ankn\u00fcpfend an die hegemonietheoretischen \u00dcberlegungen von Gramsci und Althusser formuliert Poulantzas seine These vom \u201eStaat als materielle Verdichtung von Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnissen\u201c.  Mit Bezug auf Poulantzas versuchen aktuell verschiedene Autor_innen Globalisierungsprozesse mit dem Begriff der \u201eVerdichtung zweiten Grades\u201c als erweitertes Terrain sozialer K\u00e4mpfe zu beschreiben.  \u201eNotwendiger Ausgangspunkt f\u00fcr eine erneute Diskussion \u00fcber die politische Form des Kapitalismus ist die Kritik der historischen Bornierung der Ableitungsdebatte\u201c (Gerstenberger). Angesichts der Abwesenheit bzw. Instabilit\u00e4t staatlicher Souver\u00e4nit\u00e4t in Regionen der Peripherie oder Privatisierungsprozessen staatlicher Funktionen wie Gef\u00e4ngnissen und Milit\u00e4r- und Polizeidiensten in den kapitalistischen Zentren besitzen Fragen nach der historischen Entstehung des b\u00fcrgerlichen Staates und seiner Transformationen eine nicht unerhebliche Relevanz.<\/p>\n<p>In der Podiumsdiskussion sollen die theoretischen Potentiale und Grenzen sowohl der Ableitungsdebatte als auch von Poulantzas f\u00fcr die aktuellen Dikussionen um Staat und Globalisierung diskutiert werden. Im Seminar am n\u00e4chsten Tag (<a href=\"https:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/test\/?p=121\">Programm<\/a>) soll in drei Workshops dann detaillierter in die materialistische Staatstheorie eingef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Anmeldung und vorbereitende Lekt\u00fcre sind f\u00fcr das Tagesseminar nicht erforderlich.<\/p>\n<p>Podiumsdiskussion und Tagesseminar werden veranstaltet in Kooperation mit der associazione delle talpe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Podiumsdiskussion am Freitag 29. Februar 2008 \/ 20 Uhr; Tagesseminar am Samstag 1. 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