{"id":1373,"date":"2010-10-12T17:32:58","date_gmt":"2010-10-12T15:32:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/?p=1373"},"modified":"2010-10-12T17:34:57","modified_gmt":"2010-10-12T15:34:57","slug":"sz-druckt-jf-anzeigen-leserbrief-dazu-aber-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/test\/news\/2010\/sz-druckt-jf-anzeigen-leserbrief-dazu-aber-nicht\/","title":{"rendered":"SZ druckt JF-Anzeigen &#8211; Leserbrief dazu aber nicht"},"content":{"rendered":"<p>Die S\u00fcddeutsche Zeitung hat gro\u00dfformatige Anzeigen der &#8222;Jungen Freiheit&#8220; ver\u00f6ffentlicht. Einen Leserbrief, der dies kritisiert, wollte das Blatt aber nicht drucken. NPD-BLOG.INFO dokumentiert das Schreiben an die SZ, welche in ihrem Online-Shop \u00fcbrigens auch Literatur aus rechtsextremen Verlagen vertreibt. Aber hier zun\u00e4chst der Brief:<\/p>\n<p>    4. Oktober 2010<\/p>\n<p>    Sehr geehrte Damen und Herren,<br \/>\n    die S\u00fcddeutsche Zeitung druckte in ihrer Wochenendausgabe vom 2.\/3. Oktober eine gro\u00dfformatige Werbeanzeige der Berliner Wochenzeitung &#8222;Junge Freiheit&#8220;. Die &#8222;Junge Freiheit&#8220; ist das Flaggschiff der extrem rechten Publizistik in Deutschland, das sich seit geraumer Zeit in einer b\u00fcrgerlich-konservativen Verpackung zu verkaufen versucht. Sie bietet all jenen eine Plattform, denen die NPD und Stra\u00dfennazis zu primitiv sind und die ihren Nationalchauvinismus gerne mit einem gewissen kulturellen Niveau verbr\u00e4men. Sie ist in der Grauzone zwischen Neokonservatismus und Neofaschismus beheimatet und arbeitet seit zwei Jahrzehnten an der historischen Legende einer &#8222;sauberen deutschen Rechten&#8220; jenseits der NSDAP. Dabei waren es gerade die geistigen Vorbilder der &#8222;Jungen Freiheit&#8220;, die Hitler in Weimar den Weg an die Macht geebnet haben: Die Schriften Oswald Spenglers, Arthur Moeller van den Brucks und Ernst J\u00fcngers haben das geistige Feld bereitet, die Kreise um Franz von Papen und Carl Schmitt die politischen Weichen gestellt.<br \/>\n    Die &#8222;Junge Freiheit&#8220; bezieht sich seit jeher auf jene politischen Kr\u00e4fte, die mit der NSDAP die Koalition eingingen, und f\u00fchrt deren v\u00f6lkischen Nationalismus fort. Autoren der &#8222;Jungen Freiheit&#8220; und Aktivisten des mit ihr eng verbundenen &#8222;Instituts f\u00fcr Staatspolitik&#8220; betreiben die intellektuelle und politische Rehabilitation des europ\u00e4ischen Faschismus. Als Beispiel f\u00fcr diese Strategie sei der in der Anzeige namentlich erw\u00e4hnte Karlheinz Wei\u00dfmann genannt. Die &#8222;Junge Freiheit&#8220; steht zudem f\u00fcr einen aggressiven christlichen Fundamentalismus. Sie verbreitet geschichtsrevisionistische Thesen und stellt die Ergebnisse der historischen Forschungen zur Vernichtung des europ\u00e4ischen Judentums in Abrede. So ergriff sie nicht nur Partei f\u00fcr den Holocaustleuger der fundamentalistischen Pius-Bruderschaft, Bischof Richard Williamson, sondern verbreitet, die Ergebnisse der Erforschung des Holocausts seien &#8222;von wissenschaftsfremden Kr\u00e4ften vorgegeben&#8220; (JF 8\/2009). Man f\u00fchre sich zudem vor Augen, dass ihre Anh\u00e4nger im November 2009 ernsthaft gegen die Teilnahme der Bundeskanzlerin Angela Merkel an den Gedenkfeierlichkeiten zum Ende des Ersten Weltkrieges demonstrierten. Ihre au\u00dfenpolitische Programmatik w\u00e4re, sollte sie jemals umgesetzt werden, eine Gefahr f\u00fcr den Frieden in Europa.<br \/>\n    Es war zu erwarten, dass die &#8222;Junge Freiheit&#8220; im Schatten der Demagogen vom Schlage Thilo Sarrazins und Erika Steinbachs die angeheizte Debatte \u00fcber eine &#8222;Renaissance des Konservatismus&#8220; f\u00fcr ihre Zwecke nutzen w\u00fcrde. Nicht zu erwarten war dagegen, dass sich ein seri\u00f6ses Medium wie die S\u00fcddeutsche Zeitung f\u00fcr eine Anzeige dieses Organs zur Verf\u00fcgung stellt. Wir fordern die S\u00fcddeutsche Zeitung dazu auf, diesem Normalisierungsprozess v\u00f6lkischer und extrem rechter Positionen nicht auch noch Vorschub zu leisten und bei der Auswahl ihrer Anzeigenkunden k\u00fcnftig etwas sensibler zu Werke zu gehen.<\/p>\n<p>    Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n<p>    Knud Andresen, Studienleiter Gustav-Heinemann-Bildungsst\u00e4tte, Bad Malente<\/p>\n<p>    Friedrich Burschel, Referent zu Neonazismus und Strukturen\/Ideologien der Ungleichwertigkeit, Rosa Luxemburg Stiftung<\/p>\n<p>    Anna Conrads, rechtspolitische Sprecherin DIE LINKE im NRW-Landtag<\/p>\n<p>    Prof. Dr. Michel Cullin, ehemaliger stellvertretender Generalsekret\u00e4r des Deutsch-Franz\u00f6sischen Jugendwerks<\/p>\n<p>    Prof. Dr. Frank Deppe, Marburg<\/p>\n<p>    Michael Ebenau, Gewerkschaftssekret\u00e4r, IG Metall Jena-Saalfeld und IG Metall Gera<\/p>\n<p>    Prof. Dr. Norbert Finzsch, Direktor der Anglo-Amerikanischen Abteilung des Historischen Instituts, Universit\u00e4t zu K\u00f6ln<\/p>\n<p>    Richard Gebhardt, Politikwissenschaftler, RWTH Aachen<\/p>\n<p>    Prof. Dr. Wolfgang Fritz Haug, Berliner Institut f\u00fcr kritische Theorie e.V.<\/p>\n<p>    PD Dr. Kirsten Heinsohn<\/p>\n<p>    Dr. habil Klaus Holz, Generalsekret\u00e4r der Evangelischen Akademien in Deutschland, Berlin<\/p>\n<p>    Prof. Dr. Siegfried J\u00e4ger, Duisburg<\/p>\n<p>    Jan Jetter, Bildungsreferent, Hamburg<\/p>\n<p>    Stefan Kausch, Engagierte Wissenschaft e.V., Leipzig<\/p>\n<p>    Kerstin K\u00f6ditz, MdL Sachsen; Sprecherin der Fraktion Die LINKE f\u00fcr antifaschistische Politik<\/p>\n<p>    Hildgarde Lisse, SPD-Aachen-Ost, ehem. Ratsfrau im Rat der Stadt Aachen<\/p>\n<p>    Birgit Mollemeier<\/p>\n<p>    Dr. Thomas M\u00fcller, Sozialwissenschaftler und Historiker, Aachen<\/p>\n<p>    Petra Pau, MdB, Vizepr\u00e4sidentin des Deutschen Bundestages<\/p>\n<p>    Frank Schubert, Forum f\u00fcr kritische Rechtsextremismusforschung , Leipzig<\/p>\n<p>    Dr. Stefan Vogt, Ben-Gurion University of the Negev, Beer-Sheva, Israel<\/p>\n<p>    Dr. Volker Wei\u00df, Villigster Forschungsforum zu Nationalsozialismus, Rassismus und Antisemitismus e.V.<\/p>\n<p>    Volkmar W\u00f6lk<\/p>\n<p>    Uwe W\u00f6tzel, Gewerkschaftssekret\u00e4r, ver.di<\/p>\n<p>    sowie:<\/p>\n<p>    Antifaschistisches B\u00fcndnis Bergedorf, Hamburg<\/p>\n<p>    Mobiles Beratungsteam gegen Rassismus und Rechtsextremismus in Hessen<\/p>\n<p>    Opferperspektive Brandenburg e.V., Beratung von Opfern rechts-motivierter Gewalt<\/p>\n<p>    Teilnehmerinnen und Teilnehmer der antifaschistischen Konferenz &#8222;Manometer&#8220; vom 1. &#8211; 3. Oktober in Kassel<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/npd-blog.info\/2010\/10\/09\/sz-druckt-jf-anzeigen-leserbrief-dazu-aber-nicht\/\">http:\/\/npd-blog.info\/2010\/10\/09\/sz-druckt-jf-anzeigen-leserbrief-dazu-aber-nicht\/<\/a> &#8211; dort gibt es auch noch mehr Informationen. Die RLI wurde um Unterst\u00fctzung dieses Leserbriefes angefragt, konnte aber nicht mehr rechtzeitig reagieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die S\u00fcddeutsche Zeitung hat gro\u00dfformatige Anzeigen der &#8222;Jungen Freiheit&#8220; ver\u00f6ffentlicht. Einen Leserbrief, der dies kritisiert, wollte das Blatt aber nicht drucken. 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