{"id":172,"date":"2008-12-11T19:32:48","date_gmt":"2008-12-11T17:32:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/?p=203"},"modified":"2008-12-11T19:32:48","modified_gmt":"2008-12-11T17:32:48","slug":"der-heilige-schein-des-kapitals","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/test\/veranstaltung\/2008\/der-heilige-schein-des-kapitals\/","title":{"rendered":"Der Heilige Schein des Kapitals"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zur Kritik des ungeglaubten Glaubens<\/strong><\/p>\n<p><strong>Donnerstag, 11.12. 2008, 19.30 Uhr, Infoladen Bremen, St.-Pauli-Strasse 10\/12, 28203 Bremen<\/strong><\/p>\n<p>Mit Lars Quadfasel<\/p>\n<p>Kritik der Religion hat es im Sp\u00e4tkapitalismus mit einem Paradox zu tun. Die christlichen Kirchen, einst Herrn \u00fcber K\u00f6nige und Kaiser, sind zum Hilfsinstitut f\u00fcr Seelenhygiene herabgest\u00fcrzt, ihre Dome und Kathedralen fungieren haupts\u00e4chlich als Touristenattraktionen, ihre Prediger als Showmaster und ihr Papst als \u00f6sterlicher Gru\u00dfaugust &#8211; aber als sentimentales Andenken an frommere Tage scheint Gott sich wiederum pudelwohl zu f\u00fchlen. Widerlegt, erledigt und entmachtet, hat sich die Religion mit ihrem Sturz nicht blo\u00df arrangiert, sondern daraus neue Kraft gesch\u00f6pft; Kraft, die sich dort austoben darf, wo die Gesellschaft es sich als Privatangelegenheit nichts angehen l\u00e4sst: Ficken und Sterben und Kindererziehung. Und sp\u00e4testens seit der weltweite Erfolg der islamischen Glaubensoffensive auch im vorgeblich aufgekl\u00e4rten Westen angekommen ist, gelten \u00bbreligi\u00f6sen Gef\u00fchle\u00ab wieder als unbedingt zu sch\u00fctzendes Gut. <!--more-->Hauptsache, die Leute glauben, und sei es auch an Djihad, Scharia und Frauenhass. Wer da sein Herz nicht f\u00fcr die eingeborenen Kulte entdeckt, darf dann ganz multikulturell sich buddhistisch erleuchten lassen und einem abgesetzten tibetanischen Feudalherren zujubeln. Ein Irrtum w\u00e4re es allerdings zu glauben, dass all die Anh\u00e4nger von Pat Robertson und Rev. Farrakhan, von Papst Ratzeputz und Seiner Heiligkeit dem Dalai Schmunzelmonster dabei wirklich glaubten. Die von den Toten auferstandene Religion, bar jeder gesellschaftlicher Substanz, repr\u00e4sentiert einzig den Wunsch nach einem Halt, egal woran &#8211; nach Autorit\u00e4t sans phrase. Adorno nannte derartige Pseudoreligi\u00f6sit\u00e4t, die von Blasphemie kaum zu unterscheiden ist, ungeglaubten Glauben. Deren Bedeutung verfehlen all die wackeren liberalen Religionskritiker wie Christopher Hitchens oder Richard Dawkins, die in Bestsellern den Heiligen Schriften ihre Fehler nachweisen und dabei die Religion auf Priestertrug reduzieren. Zu diskutieren wird vielmehr sein:<\/p>\n<p>&#8211;\twarum der ungeglaubte Glauben seine genuine Gestalt im Konsum des Glaubens der Anderen findet &#8211; und dabei quasi naturw\u00fcchsig zur Kulturindustrie tendiert;<\/p>\n<p>&#8211;\twarum die b\u00fcrgerliche Gesellschaft sich, ganz ohne Gottes Beistand, selber Verkl\u00e4rung genug ist &#8211; und sich dennoch der kapitale Kult seiner jenseitigen Konkurrenz nicht einfach entledigen mag;<\/p>\n<p>&#8211;\twarum eine Kritik des Monotheismus, die nicht geschichtsblind sein will, gerade nicht &#8218;an der Wurzel&#8216;, also bei Moses und Abraham, sondern in der Gegenwart, bei Djihad und christlich-deutschem Judenhass, ansetzen sollte;<\/p>\n<p>&#8211; warum also gegen den Atheismus der Wahrheitsgehalt des Materialismus und gegen die Pfaffen der Wahrheitsgehalt der Theologie zu retten ist.<\/p>\n<p>Lars Quadfasel ist Kinderg\u00e4rtner und assoziiert in der <a href=\"\/studienbibliothek.org\">Hamburger Studienbibliothek<\/a>. Er publiziert unter anderem in konkret, jungle world und taz.<\/p>\n<p>Eine Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Initiative in Kooperation mit der Redaktion der Zeitschrift &#8222;<a href=\"htt:\/\/www.extrablatt-online.net\">Extrablatt<\/a> &#8211; Aus Gr\u00fcnden gegen fast Alles&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Kritik des ungeglaubten Glaubens Donnerstag, 11.12. 2008, 19.30 Uhr, Infoladen Bremen, St.-Pauli-Strasse 10\/12, 28203 Bremen Mit Lars Quadfasel Kritik der Religion hat es im Sp\u00e4tkapitalismus mit einem Paradox zu [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[9,6,16,25,37,20,3],"tags":[],"class_list":["post-172","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-antisemitismus","category-bildung","category-geschichte","category-ideologiekritik","category-innenpolitik","category-kultur","category-veranstaltung"],"acf":[],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/test\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/172","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/test\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/test\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/test\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/test\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=172"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/test\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/172\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/test\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=172"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/test\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=172"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/test\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=172"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}