{"id":1920,"date":"2011-03-30T16:44:35","date_gmt":"2011-03-30T16:44:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/?p=1920"},"modified":"2011-05-18T11:50:48","modified_gmt":"2011-05-18T11:50:48","slug":"von-staats-wegen-konferenz-zu-fragen-materialistischer-staatskritik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/test\/veranstaltung\/2011\/von-staats-wegen-konferenz-zu-fragen-materialistischer-staatskritik\/","title":{"rendered":"Von Staats wegen. Konferenz zu Debatten materialistischer Staatskritik"},"content":{"rendered":"<p><strong>Samstag, 11. Juni 2011, KIOTO im <a href=\"http:\/\/www.kulturzentrum-lagerhaus.de\">Kulturzentrum Lagerhaus<\/a>, Schildstr. 12-19, 28203 Bremen<\/strong><\/p>\n<p>Materialistische Staatskritik hat sich in den letzten Jahren einer bescheidenen Renaissance erfreut. So sind einige Klassiker wie die Werke von Eugen Paschukanis und Nicos Poulantzas erneut verlegt und Sammelb\u00e4nde zu staatstheoretischen \u00dcberlegungen von weiteren wichtigen Theoretikern wie Karl Marx und Antonio Gramsci ver\u00f6ffentlicht worden. Ankn\u00fcpfend an die Diskussionen um diese materialistischen Theorien des Staates wird sich die Konferenz unter anderem mit folgenden Fragen auseinandersetzen: Wie l\u00e4sst sich das Verh\u00e4ltnis von Staat und weiteren gesellschaftlich relevanten Kategorien wie Geschlecht, Nation und Globalisierung begreifen? Wie vollzieht sich die staatliche Regulation von Migration und Krise? Welche Konsequenzen ergeben sich aus staatstheoretischen \u00dcberlegungen f\u00fcr eine emanzipatorische linke Praxis? Was sind die jeweiligen M\u00f6glichkeiten, aber auch Grenzen beispielsweise von K\u00e4mpfen um Rechte?<br \/>\nDie einzelnen Veranstaltungen werden in theoretische Diskussionen einf\u00fchren und ihre zentralen Begriffe und Thesen vorstellen, aber auch historische und aktuelle Entwicklungen skizzieren. Die Konferenz m\u00f6chte zu Diskussionen \u00fcber die aktuellen Bedingungen einer Emanzipation von Zwangsverh\u00e4ltnissen, zu denen sich auch der Staat rechnen l\u00e4sst, einladen. Denn soziale Bewegungen und K\u00e4mpfe sind in ihrer Praxis immer mit dem Staat konfrontiert, sei es dass sie Rechte einfordern oder sich autonom in \u201eDistanz zum Staat\u201c (Nicos Poulantzas) organisieren, wie beispielsweise Besetzungsbewegungen oder unkontrollierte Migration. Doch da Unzufriedenheit und Wut alleine die Verh\u00e4ltnisse noch nie zum besseren ver\u00e4ndert haben, bedarf es einer kritischen Analyse. Debatte und die \u201eArbeit des Begriffs\u201c im Sinne von Johannes Agnoli sind daher wichtige Voraussetzungen f\u00fcr eine emanzipatorische Transformation der gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse. Hoffnungen auf Patentrezepte und L\u00f6sungsangebote werden bei der Konferenz allerdings entt\u00e4uscht werden, denn die Intention der einzelnen Veranstaltungen ist vielmehr das Aufzeigen von Problemen und ihrer kritischen Er\u00f6rterung. Es geht erst einmal um die gemeinsame Aneignung und Diskussion kritischen Wissens. Die Waffen der Kritik sollen also f\u00fcr aktuelle wie kommende gesellschaftliche Auseinandersetzungen gesch\u00e4rft werden &#8230;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/test\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/rli_staatskritik_kongress_programm.pdf\">Programm RLI_Staatskritik_Kongress<\/a> als PDF<\/p>\n<p><strong>9.30 \u2013 10.00 Konferenzbegr\u00fc\u00dfung<\/strong><\/p>\n<p>10.00 \u2013 11.30<br \/>\n<strong>Oliver Barth (Bremen): Staat und Nation \u2013 Einf\u00fchrung in materialistische Verh\u00e4ltnisbestimmungen<\/strong><\/p>\n<p>Der moderne Nationenbegriff existiert erst seit der franz\u00f6sischen Revolution, der Nationalismusbegriff war vor dieser unbekannt. Beide Begriffe verbreiteten sich mit Napoleon \u00fcber Europa, mit dem Kolonialsystem \u00fcber die ganze Welt und bildeten die Voraussetzung des zwanzigsten Jahrhunderts als \u201eJahrhundert der Extreme\u201c (Eric Hobsbawm). Anfangs noch als Ausdruck einer Wahlgemeinschaft mit republikanisch-aufkl\u00e4rerischen Forderungen verwendet, wandelten sich die Begriffe Nation und Nationalismus rasch zur Rede von der Blutsgemeinschaft. Von den in ihren Namen gef\u00fchrten Kriegen und Ausschl\u00fcssen ist zweifellos noch heute \u201edas Schicksal aller abh\u00e4ngig\u201c, wie dies der Anarchist Rudolf Rocker nach der Erfahrung des Nationalsozialismus ausdr\u00fcckte. Undenkbar ist jedoch die Gliederung der Welt in Nationalstaaten ohne die Geschichte des Kapitalismus \u2013 ein Zusammenhang, den schon Karl Marx erkannte, ihn aber nicht mehr ausformulierte. Seither existieren unterschiedliche materialistische Bestimmungs-versuche des Verh\u00e4ltnisses Staat \u2013 Nation, die von der  Kritischen Theorie, Staatsableitungsdebatte und Zivilgesellschaftstheorien bis hin zu Historikern wie Benedict Anderson und Eric Hobsbawn reichen.<br \/>\nDie Veranstaltung soll in diesen Zusammenhang  einf\u00fchren und Fragen aufgewerfen wie:  Was eint den republikanischen und den v\u00f6lkischen Nationalismus, was unterscheidet sie? Sind nationale Mentalit\u00e4ten kontinuierlich oder sind sie durch Wertverwertung in st\u00e4ndiger Umw\u00e4lzung? Welche Auswirkungen haben Trends zu Einwanderungsgesellschaften und zur Internationalisierung von Staatlichkeit?<\/p>\n<p>Oliver Barth promoviert an der Leibniz Universit\u00e4t Hannover und ver\u00f6ffentlicht unter anderem in jungle world und Phase2.<\/p>\n<p>12.00 \u2013 13.30<br \/>\n<strong>Nadja Rakowitz (Frankfurt am Main): Staat und Krise. Eine Einf\u00fchrung zu Keynes, Keynesianismus und marxistischer Keyneskritik<\/strong><\/p>\n<p>Krisen im Kapitalismus haben immer wieder Debatten um Krisenl\u00f6sungsstrategien ausgel\u00f6st. Durch die aktuelle globale Krise erlebt gerade ein Theoretiker seine Renaissance, welcher sich infolge der Weltwirtschaftkrise Ende der 1920er als \u00d6konom einen Namen gemacht hatte: John Maynard Keynes. Obwohl Keynes seinerzeit die kapitalistischen Verh\u00e4ltnisse gegen den Sozialismus verteidigen wollte, galt und gilt er trotzdem vor allem in sozialdemokratischen Kreisen als Referenz f\u00fcr einen reformistischen Antikapitalismus. Besonders seine Vorstellung von  Krisenl\u00f6sung und Krisenvermeidung durch staatliche Regulation und Investition inspirierte linke Bem\u00fchungen um eine Harmonisierung kapitalistischer Widerspr\u00fcche und daraus folgender Krisen. Die \u00dcberlegungen von Keynes und seinen Anh\u00e4nger_innen provozierten aber auch massive Kritik: An der Marxschen Kritik der politischen \u00d6konomie orientierte Einw\u00e4nde richteten sich einerseits gegen theoretische Defizite bei Keynes, andererseits gegen die politischen Konsequenzen seiner \u00dcberlegungen, etwa die Notwendigkeit eines starken und autorit\u00e4ren Staates sowie eines b\u00fcrokratischen und technokratischen Politikstils. Zu kritisieren ist zum Beispiel die Vorstellung, dass der Kapitalismus generell krisenfrei funktionieren k\u00f6nne, aber auch die Keynessche Reduzierung der \u201eKapitalisten\u201c auf die \u201eRentiers\u201c und seine Hoffnung auf einen Kapitalismus ohne Zinsen und den \u201esanften Tod des Rentiers\u201c.<br \/>\nDie Veranstaltung soll in die zentralen Thesen des Werkes von Keynes und des Keynesianismus einf\u00fchren sowie eine Kritik an Keynes und Keynesianismus aus marxistischer Perspektive skizzieren.<\/p>\n<p>Nadja Rakowitz (Frankfurt am Main) ist Soziologin, Mitglied der Marx-Gesellschaft und unter anderem Autorin des Buches &#8222;Einfache Warenproduktion. Ideal und Ideologie&#8220;, Freiburg 2000.<\/p>\n<p><strong>14.00 \u2013 15.00 Mittagspause<\/strong><\/p>\n<p>15.00 \u2013 16.30<br \/>\n<strong>Anita Fischer (Frankfurt am Main): Staat und Geschlecht. Eine Einf\u00fchrung in die zentralen Debatten<br \/>\neiner feministisch-gesellschaftstheoretischen Staatstheorie <\/strong><\/p>\n<p>Zentrale Widerspruchs- und Konfliktachse des staatskritischen \u201eMalestreams\u201c ist die Reduktion des Staates auf den Schutz der kapitalistischen Eigentumsverh\u00e4ltnisse und die Garantie allgemeiner Rechte. In dieser Verfasstheit wird der b\u00fcrgerlich kapitalistische Nationalstaat als geschlechtsloser bzw. geschlechtsneutraler konzipiert. Die Interventionen von geschlechtertheoretischen bzw. feministischen Staatstheortiker_innen zielen zun\u00e4chst darauf, das Geschlecht des Staates offenzulegen und die bestehenden Konzepte einer kritischen Revison zu unterwerfen. Dies hat spezifische empirische und theoretische Konsequenzen f\u00fcr eine geschlechtertheoretische Konzeptualisierung des Staates. Die Veranstaltung m\u00f6chte daher in die verschiedenen marxistischen und feministischen Interpretationen des Zusammenhangs von Staat und Geschlechterverh\u00e4ltnissen einf\u00fchren. Dabei sollen zentrale theoretische \u00dcberlegungen, wie beispielsweise zur  Bedeutung der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung oder der Trennung von \u00f6ffentlicher und privater Sph\u00e4re diskutiert werden. Dar\u00fcber hinaus gilt es die Potentiale und Grenzen einer Einforderung von Rechten wie Recht auf Scheidung, selbstbestimmte Reproduktion und Schutz vor Diskriminierung f\u00fcr die Konstitution des Staates zu er\u00f6rtern.<\/p>\n<p>Anita Fischer (Frankfurt am Main) promoviert im Fachbereich Gesellschaftswissenschaften an der Johann Wolfgang Goethe Universit\u00e4t in Frankfurt.<\/p>\n<p>17.00 \u2013 18.30<br \/>\n<strong>Bernd Kasparek (M\u00fcnchen): Staat und Migration <\/strong><\/p>\n<p>Migration ist kein neues Ph\u00e4nomen, doch insbesondere die kapitalistische Globalisierung hat zu einer  quantitativen und qualitativen Ver\u00e4nderung von Migration gef\u00fchrt. Migrationsbewegungen fordern die europ\u00e4ischen Nationalstaaten in vielfacher Weise heraus, Konfrontationen finden in vielen Arenen statt: Staatsb\u00fcrger_innenschaft, Integrationsimperative, die Praxis des border crossings; allgemein Fragen gesellschaftlicher Inklusion und Exklusion. In Kombination mit der Herausbildung einer neuen Staatlichkeit in Europa ergeben sich so Prozesse, deren Ergebnisse noch offen sind.<br \/>\nMit der Veranstaltung sollen die Herausbildung von neuen Akteur_innen und Institutionen der Migrationskontrolle in Europa sowie sich verschiebende Diskurse und Praktiken vorgestellt werden. Desweiteren werden die daraus resultierenden Probleme f\u00fcr antirassistische Praktiken er\u00f6rtert und ihre Perspektiven im Kontext einer sich wandelnden europ\u00e4ischen Souver\u00e4nit\u00e4t diskutiert. \u00c4ndern sich lediglich die Institutionen der Migrationskontrolle, oder auch deren Funktionsweise? Wie lassen sich in diesem Zusammenhang institutionelle Verselbst\u00e4ndigungstendenzen wie Frontex bewerten? Welche Auswirkungen ergeben sich f\u00fcr das Staatsb\u00fcrger_innenrecht?<\/p>\n<p>Bernd Kasparek ist Mitglied der Karawane M\u00fcnchen und aktiv im <a href=\"http:\/\/kritnet.org\/\">Netzwerk Kritische Migrations- und Grenzregimeforschung<\/a> sowie Mitherausgeber von &#8222;<a href=\"http:\/\/www.assoziation-a.de\/neu\/Grenzregime.htm\">Grenzregime \u2013 Diskurse, Praktiken, Institutionen in Europa<\/a>&#8222;, Berlin 2010.<\/p>\n<p>19.00 \u2013 20.30<br \/>\n<strong>John Kannankulam (Marburg\/Frankfurt am Main): Staat und Globalisierung aus materialistischer Perspektive<\/strong><\/p>\n<p>Die Debatte darum, ob als Folge der sogenannten \u201cGlobalisierung\u201d der Nationalstaat verschwindet hat angesichts staatlicher Rettungsprogramme etc. im Zuge der Finanzkrise einigerma\u00dfen an Schwung und Relevanz verloren.  Trotzdem sind die mit den Debatten um die Entstehung eines globalen \u201cEmpire\u201d (Hardt\/Negri) oder eines \u201cWestern Conglomerate of States\u201d (Shaw) verbundenen Probleme nicht erledigt. Denn kaum eine_r w\u00fcrde bestreiten, dass sich seit der Krise des Fordimus in den 1970er Jahren die Nationalstaaten merklich gewandelt, sowie Inter- und Transnationalisierungsprozesse einen enormen Bedeutungszuwachs erfahren haben.<br \/>\nAngesichts dieser Problemstellung will der Beitrag versuchen, einen knappen \u00dcberblick \u00fcber die verschiedenen vorhandenen kritisch-materialistischen Positionen geben (mit Rekurs beispielsweise auf den sogenannten \u201cNeo-Gramscianismus\u201d, \u201cNeo-Poulantzasianismus\u201d und Hardt\/Negri) und dabei deren Vorteile und kritisierbare Aspekte herausarbeiten. Davon ausgehend soll gezeigt werden, wie sich multiskalare und transnationale Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse im europ\u00e4ischen Kontext aus der Perspektive des \u201cStaatsprojekt Europa\u201d (<a href=\"http:\/\/www.staatsprojekt-europa.eu\">www.staatsprojekt-europa.eu<\/a>) empirisch operationalisieren lassen.<\/p>\n<p>John Kannankulam ist Juniorprofessor f\u00fcr Politische \u00d6konomie und Europ\u00e4ische Integration an der Universit\u00e4t Marburg und neben Sonja Buckel und Jens Wissel Projektleiter des DFG-Projektes am Institut f\u00fcr Sozialforschung in Frankfurt am Main mit dem Kurztitel \u201cStaatsprojekt\u201d Europa, das sich mit der Europ\u00e4isierung der Migrationskontrollpolitiken in Europa befasst. Ver\u00f6ffentlichungen unter anderem: Autorit\u00e4rer Etatismus im Neoliberalismus. Hamburg: VSA 2008; \u201eStaat, Nation und Hegemonie\u201c (gem. mit Robin Mohan), in: Projektgruppe Nationalismuskritik (Hg.): Irrsinn der Normalit\u00e4t, Aspekte der Reartikulation des deutschen Nationalismus. M\u00fcnster: Westf\u00e4lisches Dampfboot 2009.<\/p>\n<p>Die Konferenz wird organisiert in Kooperation mit associazione delle talpe und mit Unterst\u00fctzung der <a href=\"http:\/\/www.hamburg.rosalux.de\">Rosa Luxemburg Stiftung Hamburg<\/a>.<br \/>\nDie Teilnahme an der Konferenz ist kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. F\u00fcr ausw\u00e4rtige Konferenzteilnehmer_innen wird versucht, \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeiten zu organisieren. Anmeldung von \u00dcbernachtungsw\u00fcnschen bitte an talpe(\u00e4tt)gmx.net.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Samstag, 11. Juni 2011, KIOTO im Kulturzentrum Lagerhaus, Schildstr. 12-19, 28203 Bremen Materialistische Staatskritik hat sich in den letzten Jahren einer bescheidenen Renaissance erfreut. 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