{"id":211,"date":"2009-06-06T12:50:50","date_gmt":"2009-06-06T10:50:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/?p=242"},"modified":"2009-06-06T12:50:50","modified_gmt":"2009-06-06T10:50:50","slug":"antiziganistische-zustaende-zur-kritik-eines-allgegenwaertigen-ressentiments-bookrelease-vortraege-und-diskussionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/test\/veranstaltung\/2009\/antiziganistische-zustaende-zur-kritik-eines-allgegenwaertigen-ressentiments-bookrelease-vortraege-und-diskussionen\/","title":{"rendered":"Antiziganistische Zust&#228;nde \u2013 Zur Kritik eines allgegenw&#228;rtigen Ressentiments: Bookrelease, Vortr&#228;ge und Diskussionen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Samstag, 6. Juni 2009, 10.30 &#8211; 20.00 Uhr Kommunikationszentrum paradox, Bernhardstr. 12, 28203 Bremen<\/strong><\/p>\n<p>In nahezu allen Staaten Europas werden Menschen als \u201eZigeuner\u201c diskriminiert und teilweise verfolgt. Es scheint unm\u00f6glich, eine Beschreibung von Roma, also der Gruppe die am st\u00e4rksten von Ausgrenzungen betroffen ist, jenseits romantisierender oder ablehnender Stereotype zu finden. Trotz dieser Umst\u00e4nde mangelt es an politischen und theoretischen Analysen. Das gilt auch f\u00fcr eine linke Kritik, die oft nicht \u00fcber moralische Emp\u00f6rung hinaus geht. Im Mai 2009 ist bei Unrast ein Buch erschienen, das unter dem Titel \u201eAntiziganistische Zust\u00e4nde \u2013 Zur Kritik eines allgegenw\u00e4rtigen Ressentiments\u201c neue Ans\u00e4tze f\u00fcr eine gesellschaftskritische Diskussion versammelt. Einige der Beitr\u00e4ge des Bandes vorzustellen sowie daran ankn\u00fcpfende Themenbereiche zu bearbeiten, ist das Vorhaben dieser bookrelease &#8211; Veranstaltung. <!--more-->  Im ersten Teil der Veranstaltung sollen die gesellschaftlichen Ursachen des Antiziganismus und eine strukturelle Verkopplung zwischen Antiziganismus und Kapitalismus verdeutlicht werden. Dazu ist es notwendig, \u201eZigeuner\u201c als Produkt einer umfassenden Konstruktionsleistung zu betrachten, um nach deren Facetten zu fragen: Welche Muster erm\u00f6glichen es, das Produkt \u201eZigeuner\u201c, so wie es uns dargereicht wird \u2013 als wild, frei und musikalisch auf der einen Seite und als faul, stehlend und vaterlandslos auf der anderen Seite \u2013 aufrechtzuerhalten und stets aufs Neue zu reproduzieren? Dies r\u00fcckt die Funktionen, die dieses Ressentiment in den Weltbildern der b\u00fcrgerlichen Subjekte erf\u00fcllt, in den Fokus unseres Interesses.  Am Nachmittag finden parallele Veranstaltungen statt, die eher als Arbeitsgruppen angelegt sind.  Unter anderem werden aktuelle Erscheinungen des Antiziganismus in Rum\u00e4nien und Italien problematisiert. Daneben soll sich mit der gesellschaftlichen Konstruktion von \u201eZigeunerbildern\u201c am Beispiel von Kinder- und Jugendliteratur auseinandergesetzt werden. Eine weitere Arbeitsgruppe wird sich an konkreten Beispielen damit besch\u00e4ftigen, wie auch forcierte gedenkpolitische Auseinandersetzungen mit dem nationalsozialistischen Massenmord wesentlich in antiziganistischen Diskursmustern verhaftet bleiben.  Zum Abschlu\u00df des Tages soll mit einer Filmvorf\u00fchrung sowie begleitender Diskussion die Situation von Roma-Fl\u00fcchtlingen, deren prek\u00e4rer Status in der BRD und h\u00e4ufige Folgen von Abschiebungen in sogenannte Herkunftsl\u00e4nder, sowie weitergehend die M\u00f6glichkeit anti-antiziganistischer Praxen  Thema sein.  Den ganzen Tag \u00fcber wird es Kaffee, Tee, Obst und S\u00fc\u00dfes geben. Kaltgetr\u00e4nke und B\u00fccher sind k\u00e4uflich am Info-Tisch zu erwerben. Am Vorabend wird es f\u00fcr alle Interessierten und bereits Angereisten einen Kneipenabend geben:Freitag, 05.06., 22 Uhr, im Rotk\u00e4ppchen, Am Dobben 97.<\/p>\n<p>Hinkommen: Das Kommunikationszentrum paradox liegt in unmittelbarer N\u00e4he zur Stra\u00dfenbahnhaltestelle &#8222;Sielwall&#8220; (Linie 3 und 10 von Hbhf, Linie 2 von Domsheide). Einfach an der Sielwallkreuzung die Stra\u00dfe Sielwall reinlaufen in Richtung Weser, erste kleine Stra\u00dfe rechts rein ist die Bernhardstra\u00dfe.<\/p>\n<p><strong>Programm:<\/strong><\/p>\n<p>10.30 Uhr Zur Notwendigkeit einer antiziganismuskritischen Debatte<\/p>\n<p>11.00 &#8211; 13.00 Uhr\tTheorien des Antiziganismus: 11.00 Uhr Ans\u00e4tze zu einer Kritik des Antiziganismus mittels Kritischer Theorie \u2013 Markus End 11.30 Uhr Antiziganismus und Ausnahmezustand \u2013 Roswitha Scholz 12.00 Uhr Diskussion<\/p>\n<p>13.00 &#8211; 14.00 Uhr\tMittagspause (selbstorganisiert)<\/p>\n<p>14.00 &#8211; 15.25 Uhr\tParallele Arbeitsgruppen (1. Block)<\/p>\n<p><strong>A \u00dcbergriffe gegen Romafl\u00fcchtlinge in Italien und rassistische  Hetzkampagnen<\/strong>. \u2013 Katrin Lange In Italien greifen antiziganistische Stimmungsmache durch die Politik, Hetze gegen Roma und Sinti durch die Medien und antiziganistische \u00dcbergriffe durch die Bev\u00f6lkerung in den letzten Jahren immer unheilvoller ineinander. Diese Entwicklung ist auch Teil von Faschisierungs-Tendenzen seit dem Regierungsantritt Berlusconis, aber bei weitem nicht alleine dadurch zu erkl\u00e4ren. Antiziganistische Ressentiments sind vielmehr in der italienischen Mehrheitsbev\u00f6lkerung seit langem weit verbreitet.  In diesem Workshop soll anhand von konkreten Beispielen der zunehmende Antiziganismus der letzten Jahre vor dem Hintergrund seiner strukturellen Verankerung (Stichwort \u201eNomadencamps\u201c) beleuchtet werden. Gleichzeitig werden Protagonist_innen eines Widerstandes gegen diese Entwicklungen vorgestellt.<\/p>\n<p><strong>B Szenarien des Erinnerns.<\/strong> Zur Praxis des Gedenkens an den NS-V\u00f6lkermord \u2013 Kathrin Herold\/ Yvonne Robel  Im ersten Schritt werden wir gemeinsam schlaglichtartig thematisieren, seit wann und in welchen Formen Gedenken an den NS-V\u00f6lkermord an den Roma in der BRD stattfindet bzw. welche Verwerfungen diese spezifische Erinnerungskultur pr\u00e4g(t)en. Dass sich auch im Gedenken antiziganistische Stereotype festmachen und fortschreiben, wollen wir anhand verschiedener Beispiele aufzeigen und einordnen.    Die Diskussion dieser Arbeitsgruppe soll sich darauf richten, wie ein Gedenken jenseits der Produktion neuer Bilder und Denkmuster funktionieren k\u00f6nnte bzw. was einen emanzipatorischen Erinnerungsprozess ausmachen sollte.<\/p>\n<p>15.25 &#8211; 15.35 Uhr\tkurze Pause<\/p>\n<p>15.35 &#8211; 17.00 Uhr\tParallele Arbeitsgruppen (2. Block)<\/p>\n<p><strong>C Was rum\u00e4nisches nation-building, ethnisierte Arbeitsteilung und gegrillte Schw\u00e4ne miteinander zu tun haben<\/strong>. \u2013 Anda Nicolae Vladu\/ Malte Kleinschmidt  Wir wollen die \u201eZigeuner\u201c-Bilder und nationalen Mythen in der heutigen rum\u00e4nischen Gesellschaft an aktuellen Beispielen veranschaulichen und den gegenw\u00e4rtigen Antiziganismus analysieren. Die antiziganistischen Stereotype stehen in einer Kontinuit\u00e4t; sie ziehen sich von der Zeit der Aufkl\u00e4rung und Sklaverei \u00fcber \u201eGro\u00dfrum\u00e4nien\u201c, das faschistische Regime Antonescus, das nationalistisch-kommunistische Regime Ceau\u015fescus bis in die heutige Zeit des neoliberalen EU-Mitgliedstaates. Vor dem Hintergrund der Geschichte Rum\u00e4niens und des rum\u00e4nischen Antziganismus wollen wir folgende Thesen entwickeln: Seit der rum\u00e4nischen Aufkl\u00e4rung (ab 1800), im Zuge der Erfindung der rum\u00e4nischen Nation, findet die Rassifizierung als \u201eZigeuner\u201c statt. Mit der Entstehung der kapitalistischen Klassengesellschaft geht die Entstehung des \u201emodernen\u201c Antiziganismus einher. Rassismus dient dem Projekt der herrschenden Klasse, ihre Herrschaft \u00fcber eine Unterklasse auszubauen und zu legitimieren. Aber auch die Existenz einer Unterklasse ist Voraussetzung f\u00fcr den Rassismus.  Unsere Veranstaltung soll der Versuch einer Ann\u00e4herung sein, die wir zur Diskussion stellen wollen.<\/p>\n<p><strong>D Romantisieren, Kriminalisieren, P\u00e4dagogisieren \u2013 Zur gesellschaftlichen Konstruktion des \u201eZigeuners\u201c in der neueren Kinder- und Jugendliteratur<\/strong> \u2013 Petra Maurer  Dieser Workshop besch\u00e4ftigt sich mit antiziganistischen Bildern in neueren Kinder- und Jugendb\u00fcchern. Wie und wo sich diese Konstruktionen in antiziganistische gesellschaftliche Zust\u00e4nde einschreiben, l\u00e4sst sich nicht exakt belegen, ihre Bedeutung liegt jedoch auf der Hand und bildet den Hintergrund dieses Workshops. Nach einer kurzen theoretischen Einleitung \u00fcber die Figur des \u201eZigeuners\u201c in der Kinder- und Jugendliteratur seit dem 19. Jahrhundert, tauchen wir direkt in die literarische Praxis ein: Wie konstruieren Autor_innen der Mehrheitsgesellschaft in verschiedenen Kinder- und Jugendb\u00fcchern die Figur des \u201eZigeuners\u201c? Anhand ausgew\u00e4hlter Textstellen werfen wir Licht auf romantisierende, kriminalisierende und p\u00e4dagogisierende Facetten dieser Figurenkonstruktion und st\u00f6bern literarische Versuche auf, den erstarrten, antiziganistischen Zuschreibungen etwas entgegenzusetzen.<\/p>\n<p>17.00 &#8211; 17.30 Uhr\tPause mit Kaffee, Tee und Kuchen<\/p>\n<p>17.30 Uhr\t\t<strong>Anti-Antiziganistische Praxen?<\/strong> Diskussion und Filmbeitrag, mit Djevdet Berisa, Bleiberechtsaktivist  Am 04.06.09 protestier(t)en zum wiederholten Mal Roma-Fl\u00fcchtlinge und unterst\u00fctzende Gruppen anl\u00e4sslich der Innenministerkonfererenz in Bremerhaven f\u00fcr ein Bleiberecht f\u00fcr Roma aus dem Kosovo. Zum Jahresende rechnen Beobachter_innen mit einem Anstieg der Abschiebungen. \u00dcber die Situation der Fl\u00fcchtlinge sowie Herausforderungen einer Bleiberechtsbewegung soll informiert werden.  Wie lassen sich Erkenntnisse aus der Theorie und Kritik an eine antirassistische Praxis anschlie\u00dfen? Wie kann Aufkl\u00e4rungsarbeit stattfinden und gleichzeitig die Reproduktion von stereotypen Abbildungen durchbrochen werden?  Wie l\u00e4sst sich ein gr\u00f6\u00dferes gesellschaftliches Bewusstsein f\u00fcr Antiziganismus erreichen?<\/p>\n<p>20.00 Uhr\tvegetarisch\/veganes Abendessen, Hei\u00df- und Kaltgetr\u00e4nke (gegen Unkostenbeitrag), \t\tgemeinsamer Ausklang<\/p>\n<p>Eine <strong>Anmeldung<\/strong> ist nicht zwingend erforderlich, jedoch f\u00fcr die Planungen (insbesondere des Abendessens) sehr hilfreich.  Anmeldung, Kontakt, Fragen: k.herold(\u00e4dt)rosa-luxemburg.com<\/p>\n<p>Der Sammelband \u201eAntiziganistische Zust\u00e4nde. Zur Kritik eines allgegenw\u00e4rtigen Ressentiments\u201c \u2013 Hrsg. von Markus End, Kathrin Herold und Yvonne Robel (M\u00fcnster, Unrast) ist ab Mitte Mai 2009 im Buchhandel erh\u00e4ltlich. Seine Herausgabe wurde 2009 von der <a href=\"http:\/\/ww.rosalux.de\">Rosa-Luxemburg-Stiftung<\/a> finanziell gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Veranstalter: Rosa-Luxemburg-Initiative in Kooperation mit dem Autor_innenkollektiv \u201eAntiziganistische Zust\u00e4nde\u201c .<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Samstag, 6. Juni 2009, 10.30 &#8211; 20.00 Uhr Kommunikationszentrum paradox, Bernhardstr. 12, 28203 Bremen In nahezu allen Staaten Europas werden Menschen als \u201eZigeuner\u201c diskriminiert und teilweise verfolgt. 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