{"id":2146,"date":"2011-06-30T05:48:40","date_gmt":"2011-06-30T05:48:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/?p=2146"},"modified":"2011-06-30T05:57:03","modified_gmt":"2011-06-30T05:57:03","slug":"care-eine-feministische-kritik-der-politischen-okonomie-das-argument-292","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/test\/news\/2011\/care-eine-feministische-kritik-der-politischen-okonomie-das-argument-292\/","title":{"rendered":"Care &#8211; eine feministische Kritik der politischen \u00d6konomie? (DAS ARGUMENT 292)"},"content":{"rendered":"<p>Im Juli erscheint DAS ARGUMENT 292, eine Ausgabe der Frauenredaktion, Schwerpunktthema: Care &#8211; eine feministische Kritik der politischen \u00d6konomie?<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/test\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/DA292_care_cover.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2151\" title=\"DA292_care_cover\" src=\"https:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/test\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/DA292_care_cover-214x300.jpg\" alt=\"\" width=\"214\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/test\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/DA292_care_cover-214x300.jpg 214w, https:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/test\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/DA292_care_cover.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 214px) 100vw, 214px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Frauenredaktion des Argument sucht mit dem Thema \u2018Care\u2019 \u201eeine Forschung einzuleiten, die sich um die Verschiebungen im Zueinander von industrieller und Dienstleistungs-Erwerbsarbeit und familialer Sorgearbeit k\u00fcmmert, die, kurz gesprochen, untersucht, was nach dem Niedergang der Kleinfamilie mit ihrem Alleinern\u00e4hrer, also nach dem Ende des Fordismus, aus den gesellschaftlichen Arbeiten und ihren Akteurinnen wird und welche politischen M\u00f6glichkeiten sich er\u00f6ffnen.\u201c (&#8230;)<\/p>\n<p>\u201eCare: Was erkl\u00e4rt der Terminus eigentlich? Hat sich seine Bedeutung ver\u00e4ndert? Viele Autorinnen setzen ihn an die Stelle eingef\u00fchrter Konzepte wie Reproduktion, Subsistenz- oder Haushalts\u00f6konomie, Entwicklungs\u00f6konomie, soziale und gesundheitliche Versorgung, \u00f6kologisches oder nachhaltiges Wirtschaften, Tauschwirtschaft, Lebenswelt. Sie visieren ein weites Aufgabenfeld in einem breiten Verst\u00e4ndnis von \u00d6konomie an:&gt;\u2018Care\u2019 umfasst den gesamten Bereich weiblich konnotierter, personenbezogener F\u00fcrsorge und Pflege, d.h. familialer und institutionalisierter Aufgaben der Versorgung, Erziehung und Betreuung und stellt sowohl eine auf asymmetrischen Beziehungen beruhende Praxisform als auch eine ethische Haltung dar\u00a0 (Br\u00fcckner 2010). Von den Aufgaben geht es zur Arbeit: Im Wesen ist Care-Arbeit eine f\u00fcrsorgliche T\u00e4tigkeit, also die Sorge um und die Sorge f\u00fcr Personen\u00a0 &#8211; unerheblich ob bezahlt oder unbezahlt.\u00a0 Die Care-\u00d6konomie besch\u00e4ftigt sich mit der Frage, wie eine Gesellschaft die Sorge f\u00fcr ihre Mitglieder organisiert &#8211; also die allt\u00e4gliche Versorgung aller\u00a0 (Mad\u00f6rin 2009). \u2018Care\u2019 erscheint hier deckungsgleich mit der \u00d6konomie im Allgemeinen und bezeichnet das Versagen, unter den Bedingungen des wohlfahrtsstaatlich gez\u00e4hmten Kapitalismus elementare menschliche Bed\u00fcrfnisse zu befriedigen. Auf die globale Ebene \u00fcbertragen steht \u2018Care\u2019 f\u00fcr den noch weiteren Anspruch, menschliches Wohlergehen zu sichern. Ber\u00fchrt sind also \u00f6konomische Aktivit\u00e4t, Arbeitspraxen, soziale Organisation, Erf\u00fcllung allgemeinmenschlicher Bed\u00fcrfnisse und damit auch ein anthropologischer Horizont. Begrifflich verst\u00e4rkt wird diese Perspektive, wenn von \u2018f\u00fcrsorglicher Praxis\u2019 (Senghaas-Knobloch), \u2018Sorgen\u2019 (Gerhard\/Hausen) oder \u2018interaktiver Achtsamkeit\u2019 (Mol, Conradi) angesichts der Bed\u00fcrftigkeit, Verletzlichkeiten oder dem Angewiesensein von Menschen gesprochen wird. (&#8230;) Im Hightech-Kapitalismus, der Frauen mehrheitlich \u00fcber Erwerbsarbeit \u2018integriert\u2019 und gegen\u00fcber dem Fordismus neue, ja kontr\u00e4re Anforderungen in der Arbeitswelt hervorbringt, bl\u00fcht die \u2018Care\u2019-Debatte. \u2018F\u00fcrsorge\u2019 kommt als Postulat in diesem Rahmen wieder auf, aber nicht als paternalistische Institution, sondern als T\u00e4tigkeitsform, die das Subjekt retten will und als demokratischer Gegen-Entwurf. Die Entwicklung des  Wohlfahrtsstaates h\u00e4lt nicht Schritt mit dem Wandel der Arbeitswelt und der Geschlechterverh\u00e4ltnisse, sondern stolpert in den Neoliberalismus, der unter anderem gekennzeichnet ist durch Privatisierung von Risiken, neuartige Verantwortungsdiskurse, Familie als Herstellungsleistung,\u00a0 Re-Traditionalisierung von Geschlechterverh\u00e4ltnissen. Die anhaltende \u2018Care\u2019-Diskussion ist daher nicht anachronistisch, muss sich aber fragen lassen, ob sie hinreichend als kritische Theorie eingreift. Daf\u00fcr ist dieses Heft ein Anfang.\u201c<br \/>\n(Ausz\u00fcge aus dem Editorial von Frigga Haug und Sabine Plonz)<\/p>\n<p><strong>Das Argument 292<br \/>\nCare &#8211; eine feministische Kritik der politischen \u00d6konomie?<br \/>\n53. Jahrgang der Zeitschrift DAS ARGUMENT. Heft 3\/2011<br \/>\n<\/strong>ISSN 0004-1157<\/p>\n<p><strong>Inhalt:<\/strong><\/p>\n<p>Elfriede Jelinek: Um die goldene Gams<br \/>\nChristine Lehmann: Kein Soli f\u00fcr Sex!<\/p>\n<p>Care &#8211; eine feministische Kritik der politischen \u00d6konomie?<br \/>\nGabriele Winker: Soziale Reproduktion in der Krise &#8211; Care Revolution als Perspektive<br \/>\nFrigga Haug: Das Care-Syndrom. Ohne Geschichte hat die Frauenbewegung keine Perspektive<br \/>\nSabine Plonz: Mehrwert und menschliches Ma\u00df. Zur ethischen Bedeutung der<br \/>\nfeministisch-\u00f6konomischen Care-Debatte<br \/>\nIris Nowak: F\u00fcrsorgliche Praxis als prek\u00e4re Lohnarbeit. Fragen zu den<br \/>\nErfahrungen der Besch\u00e4ftigten<br \/>\nSilke Chorus: Care-Seiten in der politischen \u00d6konomie<br \/>\nAnna Hartmann: Die Unsichtbarkeit der unbezahlten Hausarbeit in Fordismus und Postfordismus<br \/>\nStephanie Heck: Von Reproduktion zu Care &#8211; zentrale Verschiebung in der feministischen \u00d6konomie-Debatte?<br \/>\nBeate Friedrich: Gesellschaftliche Natur- und Geschlechterverh\u00e4ltnisse: Die Ans\u00e4tze von Adelheid Biesecker\/Sabine Hofmeister und Frigga Haug<br \/>\n*<br \/>\nJohn Holloway: Zorn und Entz\u00fccken. Replik zu Joachim Hirsch<br \/>\nMoshe Zuckermann: Zur Notwendigkeit der Unterscheidung von Werk und Person.<br \/>\nReplik auf Ingrid Galsters Rezension der Autobiographie von Claude Lanzmann<\/p>\n<p>Rezensionen (Schwerpunkt Care-\u00d6konomie)<br \/>\nKongressberichte<br \/>\nSummaries<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Juli erscheint DAS ARGUMENT 292, eine Ausgabe der Frauenredaktion, Schwerpunktthema: Care &#8211; eine feministische Kritik der politischen \u00d6konomie? 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