{"id":5080,"date":"2013-06-19T19:17:39","date_gmt":"2013-06-19T17:17:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/?p=5080"},"modified":"2014-02-19T18:14:14","modified_gmt":"2014-02-19T16:14:14","slug":"israel-und-palastina-zionismus-und-nakba-zwei-narrative","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/test\/news\/2013\/israel-und-palastina-zionismus-und-nakba-zwei-narrative\/","title":{"rendered":"Israel und Pal\u00e4stina: Zionismus und Nakba. Zwei Narrative&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Der erste Workshop unserer <a href=\"https:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/test\/category\/nahostkonflikt\/\">Reihe<\/a>\u00a0\u00bbLinke Perspektiven auf den Nahostkonflikt\u00ab fand\u00a0am 08. Juni 2013 in Bremen unter dem Titel\u00a0<a href=\"https:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/test\/veranstaltung\/2013\/linke-perspektiven-auf-den-nahostkonflikt\/\">Israel und Pal\u00e4stina: Zionismus und Nakba. Zwei Narrative, die einander ausschlie\u00dfen?<\/a> statt. <strong>Wiebke Warkentin<\/strong>, Studienstipendiatin der Rosa-Luxemburg-Stiftung, hat f\u00fcr uns dar\u00fcber einen kurzen Bericht verfasst.<\/p>\n<p><strong>Bericht \u00fcber das Tagesseminar \u201eIsrael und Pal\u00e4stina: Zionismus und Nakba. Zwei Narrative, die einander ausschlie\u00dfen?\u201c der Rosa-Luxemburg-Initiative in Bremen<\/strong><\/p>\n<p>Am 8. Juni 2013 fand in der Rosa-Luxemburg-Initiative in Bremen die Veranstaltung \u201eIsrael und Pal\u00e4stina: Zionismus und Nakba. Zwei Narrative, die einander ausschlie\u00dfen?\u201c statt. Als Auftaktveranstaltung der Seminarreihe \u201eLinke Perspektiven auf den Nahostkonflikt\u201c bildete sie das Modul zur Geschichte des Nahostkonfliktes und bot somit den Einstieg in weiterf\u00fchrende Seminare des Bildungsmoduls.<\/p>\n<p>Thematisch gegliedert war das Tagesseminar in f\u00fcnf Bl\u00f6cke, welche aufeinander aufbauend eine \u00dcbersicht \u00fcber Begrifflichkeiten, den Rahmen des Untersuchungsgegenstandes sowie verschiedene geschichtliche Perspektive gaben und die Diskussionsgrundlage mehrerer Zwischendiskussionen bereiteten.<br \/>\nInhaltlich besch\u00e4ftige sich der Workshop mit den Entwicklungen pal\u00e4stinensischer und israelischer Masternarrativen, welche einen wesentlichen Einfluss auf die konflikt\u00e4ren Identit\u00e4tskonstruktionen haben. Diese Meistererz\u00e4hlungen bestimmen zugleich die nationalen Geschichtsschreibungen und tragen eine wichtige Rolle und Funktion in der \u00f6ffentlichen Debatte des Konfliktes. Somit dienen sie als Legitimationsgrundlage der Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart und haben einen h\u00f6chst instrumentellen Charakter.<!--more--><\/p>\n<p>Einleitend gab der Referent Dr. Marcus Hawel eine Einf\u00fchrung in die Thematik und den Begriff der Masternarrative. Hierbei ging Dr. Hawel zun\u00e4chst auf die Konzeption der identit\u00e4ren Masternarrative und ihre Rolle in der kollektiven Identit\u00e4tspolitik einer Nation ein. In Krisen- und Konfliktregionen sind diese Narrative gegeneinander ausgerichtet. Masternarrative dienen immer der Konstitution von Nationalstaaten und deren Legitimationsgrundlage und haben einen stetigen instrumentellen und konstruierten Charakter. Um das Ausma\u00df der Auswirkungen von Masternarrativen und Identit\u00e4t darzustellen, leitete Dr. Hawel die Methoden der Historiographie anhand zentraler Begriffe wie Macht, Diskurs und \u00d6ffentlichkeit her. Identit\u00e4re Meistererz\u00e4hlungen implizieren einen kollektiven Abwehrmechanismus und dienen der ideologischen Rechtfertigung von Nationalstaaten.<br \/>\nIm zweiten Teil des Seminars wurde der Film \u00abEretz Nehederet\u00bb von Daniel Ziehten (siehe <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=PcOOiV7p4Xg\" target=\"_blank\">www.youtube.com<\/a>) gezeigt, welcher in verschiedenen Interviewsequenzen Einstellungen zu Zionismus und Antizionismus in Israel abbildet und Positionen der israelischen Linken darstellt. Trotz aufkommender Kritik am Film und seinen dargestellten Perspektiven, bot der Kurzfilm eine fruchtbare Grundlage f\u00fcr eine Diskussion \u00fcber Masternarrative und das, was diese nicht thematisieren oder aufzeigen.<br \/>\nIm dritten Teil des Workshops wurde anschaulich die Vor- und Fr\u00fchgeschichte der Region und des Nahostkonfliktes von Dr. Salvador Obermann nach gezeichnet. Als Vorannahme stellte Dr. Obermann ein Konzept von Konstruktion von Geschichte und Subjektivit\u00e4t der Geschichtsschreibungen dar, mit dem er dann den Verlauf des Konfliktes und die Entwicklung von Identit\u00e4ten, die Gr\u00fcndung j\u00fcdischer Siedlungen in der Region und verschiedenen Prozessen des historischen Pal\u00e4stinas abbildete. Den Fokus legte er auf die Entstehung des Zionismus, die Rolle des Kolonialismus und den panarabischen Nationalismus.<br \/>\nIm weiteren Verlauf galt die Aufmerksamkeit dem pal\u00e4stinensischen Masternarrativ. Die Referentin Prof. Dr. Sabine Damir-Geilsdorf informierte die knapp 25 Teilnehmenden \u00fcber die Nakba (Arabisch: Katastrophe) und die pal\u00e4stinensische Darstellung der im Zuge des arabisch-israelischen Krieges 1948 vertriebenen bzw. gefl\u00fcchteten Menschen. Lange Zeit galt die Nakba als Gegen- und Spiegelnarrative zu der auf israelischer Seite genannten Shoa (Hebr\u00e4isch: Unheil), welche den nationalsozialistischen V\u00f6lkermord an den Juden bezeichnet.\u00a0 Prof. Dr. Damir-Geilsdorf erl\u00e4uterte, dass seit ungef\u00e4hr 15 Jahren auch der Holocaust Eingang findet in die pal\u00e4stinensische Geschichtsschreibung. Einen Schwerpunkt legte die Referentin auf die Frage der Betrachtungsweise der Nakba und ob die Reaktionen der pal\u00e4stinensischen Bev\u00f6lkerung als Flucht oder Vertreibung zu bezeichnen ist. Problematisch ist, dass sich auf pal\u00e4stinensischer Seite noch keine (Kriegs-)Archive institutionalisiert haben. Generell werden auf beiden Seiten der Konfliktparteien sich meist widersprechende Darstellungen gezeigt. Abschlie\u00dfend f\u00fchrte Prof. Dr. Damir-Geilsdorf den Begriff der Erinnerungsorte (Pierre Nora) ein: Kollektive Erinnerungen einer sozialen Gruppe werden durch symbolische Bezugspunkte entwickelt. Interessant ist hierbei, dass es sich um Vorstellungen handelt, welche ein Pal\u00e4stina meinen, das vor 1948 existiert hat. Dieses Bild ist keinesfalls realistisch, zeitgem\u00e4\u00df oder von einer Mehrheit der Betroffenen selbst erlebt worden.<br \/>\nAbschlie\u00dfend behandelte der Referent Dr. Asaf Angermann den Themenblock \u201eIdentit\u00e4t, Geschichtsschreibung und kulturelle Identit\u00e4t in Israel\/Pal\u00e4stina\u201c. Dr. Angermann stellte den Verbindungen zwischen Zionismus und Nakba in den Fokus seiner Betrachtung. Hierbei stellte er fest, dass weder ein Vergleich zwischen Nakba und Zionismus, noch ein Vergleich zwischen Nakba und Holocaust m\u00f6glich sei, da die jeweiligen Geschehnisse auf verschiedenen Ebenen (einerseits Ereignisse\/Traumata, andererseits Ideologien) stattfinden. Nachdem sich Prof. Dr. Damir-Geilsdorf auf die Untersuchung des pal\u00e4stinensischen Narrativs und der Nakba konzentrierte, bildet der Zionismus den Kern des Vortrages von Dr. Angermann. Die Teilnehmenden wurden in die Entstehungsgeschichte des Zionismus eingef\u00fchrt und \u00fcber die Rolle der Religion und der Lage im geogragrafischen Pal\u00e4stina informiert. Hervorgehoben wurde einerseits, welche Entwicklung der Zionismus als Nationalbewegung vollzogen hat und f\u00fcr welche Ziele er heute genutzt wird. Andererseits zeigt sich, welche Rolle er in die Geschichtserz\u00e4hlung einnimmt, um ein bestimmtes erw\u00fcnschtes Bild &#8211; beispielsweise der Bev\u00f6lkerung \u2013 zu erzeugen.<\/p>\n<p>In der gemeinsamen Abschlussdiskussion wurden Ans\u00e4tze eines gemeinsamen Narrativs thematisiert und Beispiele neuer Vers\u00f6hnungsnarrative vorgestellt. Das Konzept des dritten Raumes beispielsweise zielt darauf ab, eine kollektive Identit\u00e4t aus beiden Elementen zu schaffen und einen \u00f6ffentlichen Raum zu erk\u00e4mpfen, in dem die Vergangenheit gemeinsam aufgearbeitet werden kann.<\/p>\n<p>Insgesamt war ich von dem Tagesseminar als Teilnehmende durchweg begeistern, da die thematisch-inhaltliche Aufbereitung einen hohen Informationsgehalt hatte und trotz wissenschaftlichen Anspruch als Einf\u00fchrung in die Thematik verst\u00e4ndlich war. Die Einteilung der verschiedenen Themengebiete war meiner Meinung nach sinnvoll und gut miteinander abgestimmt. Die mit verschiedenen Methoden arbeitenden ReferentInnen haben mich sehr beeindruckt und k\u00f6nnten mir viele Denkanst\u00f6\u00dfe mit auf den Weg geben.<\/p>\n<p><em>Wiebke-Viktoria Warkentin<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der erste Workshop unserer Reihe\u00a0\u00bbLinke Perspektiven auf den Nahostkonflikt\u00ab fand\u00a0am 08. 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