{"id":5996,"date":"2014-09-25T11:21:16","date_gmt":"2014-09-25T09:21:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/?p=5996"},"modified":"2014-09-25T11:21:16","modified_gmt":"2014-09-25T09:21:16","slug":"der-eindimensionale-mensch-wird-50","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/test\/veranstaltung\/2014\/der-eindimensionale-mensch-wird-50\/","title":{"rendered":"Der eindimensionale Mensch wird 50"},"content":{"rendered":"<style type=\"text\/css\"><!--\nP { margin-bottom: 0.21cm; }H2 { margin-bottom: 0.21cm; }H2.ctl { font-family: \"Arial Unicode MS\"; }\n--><\/style>\n<p><strong><strong>Konzert-Theater von und mit Thomas Ebermann, Kristof Schreuf, Andreas Spechtl und Robert Stadlober<\/strong><br \/>\n<strong>Freitag, 31. Oktober 2014, 20.00 Uhr<br \/>\n<\/strong><\/strong>Schwankhalle, Buntentorsteinweg 112, 28201 Bremen<\/p>\n<p>Eine facettenreiche Geburtstagsfeier f\u00fcr eine trostlose Gestalt, die sich auch noch treu geblieben ist, seit Herbert Marcuse ihr gl\u00fcckliches Bewusstsein und ihre versklavte Zufriedenheit erforschte.\u00a0 1964 tat es beim Zahnarzt mehr weh als heute, und f\u00fcr eine schnelle \u00dcbermittlung von Nachrichten verschickte man Telegramme. Technologisch geht&#8217;s seitdem voran, aber das Denken, das mit der Kritik der Verh\u00e4ltnisse erst beginnt, ist verdr\u00e4ngt vom Funktionieren im Bestehenden. Informiertheit und Verbl\u00f6dung sind verschwistert. Als Herbert Marcuse, einer der Denker der \u00bbKritischen Theorie\u00ab, diese Zusammenh\u00e4nge zu entschl\u00fcsseln versuchte, inspirierte er damit gro\u00dfe Teile der \u00bbRebellion von \u201968\u00ab. Was er \u00e4tzend als \u00bbH\u00f6lle der Gesellschaft im \u00dcberflu\u00df\u00ab benannte \u2013 das damalige Wirtschaftswunder mit reguliertem Arbeitsmarkt und wachsendem Konsum \u2013 ist heute der Himmel vieler Progressiver. An diesem Abend wird er erforscht mit Songs, die auf Passagen aus dem \u00bbEindimensionalen Menschen\u00ab basieren. Au\u00dferdem wird \u2013 unakademisch, aber auf den ber\u00fcchtigten \u00bbgesunden Menschenverstand\u00ab verzichtend \u2013 rezitiert, dialogisiert und gestritten, ob und warum der Philosoph sich irrte. Da das Ensemble weder ein Lehrst\u00fcck plant noch den Lehrer spielen will, zieht es sich zwar nicht vor aller Augen aus, verheimlicht aber nicht, dass sich auch in seinen Mitgliedern manch Eindimensionalit\u00e4t festgesetzt hat. Man soll ja, lehrte der Systemkritiker, misstrauisch gegen\u00fcber seinen Bed\u00fcrfnissen sein. Entgegen landl\u00e4ufiger Meinung stammen sie nicht aus dem \u00bbtiefsten Innersten\u00ab und zeugen auch nicht von Authentizit\u00e4t \u2026<\/p>\n<p>Versichert wird, dass kein Mitglied des Ensembles auch nur die klitzekleinste \u00c4hnlichkeit mit dem Jubilar hat \u2013 und garantiert werden kann, dass schon der Erwerb einer Eintrittskarte zu mehrdimensionaler Gef\u00fchlswelt, Immunit\u00e4t gegen Manipulation und kritischem Bewusstsein f\u00fchrt.<\/p>\n<p>HINTERGRUND:<\/p>\n<p>Der Titel bezieht sich darauf, dass Herbert Marcuses gro\u00dfe systemkritische Schrift (\u00bbDer eindimensionale Mensch\u00ab) 1964, also vor 50 Jahren, (zun\u00e4chst in den USA) ver\u00f6ffentlicht wurde. Ganz besonders durch dieses Werk wurde Marcuse zum vielleicht wichtigsten Inspirator der \u00bbRebellen von 68\u00ab. Zu einer Autorit\u00e4t f\u00fcr die Antiautorit\u00e4ren, denen er sich verbunden f\u00fchlte. Nichts liegt dem Team allerdings ferner, als einen Erinnerungsabend an eine irgendwie geartete \u00bbgute alte Zeit\u00ab zu veranstalte, nach der Art dieser trostlosen Fernsehdokumentationen zur Geschichte, in denen alt gewordene \u00bbZeitzeugen\u00ab, denen die Anpassung aus jeder Pore stinkt, Enkeln und Kindern und ihrer Generation erz\u00e4hlen d\u00fcrfen, dass sie in jungen Jahren mal ganz sch\u00f6n wild gewesen sind. Das Team glaubt n\u00e4mlich, dass Herbert Marcuse f\u00fcr viele heute gr\u00f6\u00dfte Relevanz besitzt. Mehr noch: seine fundamentale Kritik kann erhellen, wie weit \u2013 leider! \u2013 sich das, was heute als links\/progressiv\/b\u00fcrgerbewegt gilt, von einer substanziellen Kritik des Bestehenden entfernt hat. Vielleicht ist es ja ganz gut, dass Marcuse seine Schrift zur Zeit des Wirtschaftswunders \u2013 also zur Zeit regulierter Arbeiterverh\u00e4ltnisse und wachsender M\u00f6glichkeiten des Konsums \u2013 verfasst hat. Es sind Zeiten, denen heutige Sehns\u00fcchte gelten, w\u00e4hrend Marcuse f\u00fcr sie den Begriff der \u00bbH\u00f6lle der Gesellschaft im \u00dcberfluss\u00ab fand.<\/p>\n<p>KEINE ANGST!<br \/>\nEs wird kein akademischer Abend, bei dem Kenntnis der Kritischen Theorie Voraussetzung ist, um auf seine Kosten zu kommen. (Daf\u00fcr gibt es Seminare und Symposien, die wertvoll sind.) Es wird auch nicht \u00bbAgitprop\u00ab und auch kein Lehrst\u00fcck.<br \/>\nAUCH NICHT ZU BEF\u00dcRCHTEN IST, dass die Musik nur der Untermalung der Texte gilt. Damit haben wirklich schon genug \u00bbLiedermacher\u00ab rumgemurkst.<\/p>\n<p>ALSO WAS?<br \/>\nGearbeitet wird an einigen Songs, die sich an Themen und Thesen Herbert Marcuses anlehnen, sie entschl\u00fcsseln, auf heutige Gegebenheiten \u00fcbertragen, auch mal mit direkten Zitaten spielen, manchmal ist der Bezug auch nur sehr indirekt und also versteckt. Dar\u00fcberhinaus zerbricht sich das Team den Kopf, welche Passagen rezitierbar sein k\u00f6nnten, ohne den Anspruch seiner \u00bbEntakademisierung\u00ab zu verletzen. Zum Gl\u00fcck hat Marcuse einen wunderbaren Hang zum beispielhaften Erz\u00e4hlen, zur Episode. Und in seinem ber\u00fchmten Vortrag im \u00fcberf\u00fcllten Audimax der FU (mit dem Titel \u00bbDas Ende der Utopie\u00ab!!) findet sich was \u2026 Manchmal k\u00f6nnte es auch passieren, dass die Typen auf der B\u00fchne ins Dialogisieren geraten. Inszenierte Disharmonie halt. Mit einiger Sicherheit spricht dann der alte Marcuse von der Leinwand \u00bbdas kl\u00e4rende Wort\u00ab. Nein, das nicht, aber es gibt wirklich ein paar sch\u00f6ne Aufnahmen mit ihm&#8230;<\/p>\n<p>Zitate aus Marcuse, \u201eDer eindimensionale Mensch\u201c:<br \/>\n<em>\u00bbIndem die gro\u00dfen Worte \u00fcber Freiheit und Erf\u00fcllung von F\u00fchrern und Politikern bei Wahlkampagnen verk\u00fcndet werden, in den Kinos, im Radio und Fernsehen, verkehren sie sich in sinnlose Laute, die nur im Zusammenhang mit Propaganda, Gesch\u00e4ft, Disziplin und Zerstreuung einen Sinn erhalten \u2026 Die Institutionen der Rede- und Denkfreiheit behindern die Gleichschaltung mit der etablierten Wirklichkeit nicht.\u00ab<\/em><br \/>\n<em>\u00a0\u00a0\u00a0 \u00bbNiemand denkt wirklich, der nicht von dem abstrahiert, was gegeben ist, der nicht die Fakten auf die Faktoren bezieht, die sie hervorgebracht haben \u2026\u00ab<\/em><br \/>\n<em>\u00a0\u00a0\u00a0 \u00bbUm ein (leider phantastisches) Beispiel zu w\u00e4hlen: die blo\u00dfe Abwesenheit aller Reklame und aller schulenden Informations- und Unterhaltungsmedien w\u00fcrde das Individuum in eine traumatische Leere st\u00fcrzen, in der es die Chance h\u00e4tte, sich zu wundern, nachzudenken, sich (oder vielmehr seine Negativit\u00e4t) und seine Gesellschaft zu erkennen.\u00ab<\/em><\/p>\n<p><em>Thomas Ebermann;<\/em> Buch und B\u00fchnenautor, Podiumsdiskutant und Vortragsreisender, Regisseur und minderbegabter Schauspieler, Intellektueller ohne Abitur, f\u00fchlt sich geehrt, wenn man ihn den \u00bbletzten Querulanten\u00ab nennt und beleidigt, wenn man ihn als \u00bbQuerdenker\u00ab diffamiert.<\/p>\n<p><em>Kristof Schreuf<\/em>; Musiker, Schreibtischt\u00e4ter und S\u00e4nger, war mal Frontmann von \u00bbKolossale Jugend\u00ab und galt damals als Klassenbester der \u00bbHamburger (Vor-)Schule\u00ab, mangelnde Strebsamkeit warf ihn zur\u00fcck; f\u00fcr \u00bbBourgeois with Guitar\u00ab von der Kritik so hoch gelobt, wie in den Charts tief gefallen.<\/p>\n<p><em>Andreas Spechtl<\/em>; Musiker, Texter und S\u00e4nger der Band \u00bbJa, Panik\u00ab, hat sich aus dem Burgenland in die Provinz zur\u00fcckgezogen und wird von Berliner Ur-Einwohnern \u2013 die Fremde sonst nicht m\u00f6gen \u2013 einigerma\u00dfen akzeptiert, denn: \u00bbSo z\u00e4rtlich hat schon lange niemand mehr gegen den Staat gewettert\u00ab, wie Andreas auf dem j\u00fcngsten Album, f\u00fcr das er bestimmt wieder f\u00fcr den \u00bbAmadeus Award\u00ab nominiert wird, damit ein anderer ihn bekommt.<\/p>\n<p><em>Robert Stadlober<\/em>; Schauspieler, Musiker und S\u00e4nger der Band \u00bbGary\u00ab. Wirkt in seinen Filmen \u2013 \u00bbSonnenallee\u00ab, \u00bbCrazy\u00ab, \u00bbKottan ermittelt\u00ab, \u00bbZ\u00e4rtliche Parasiten\u00ab \u2013 oft viel sympathischer, als er in privater Atmosph\u00e4re, also in Talkshows, ist. Obwohl er sich stets vornimmt, genregerecht belanglos zu plaudern, rutscht ihm immer wieder ein kluges Argument raus, womit er naturgem\u00e4\u00df den ber\u00fchmten deutschen Volkszorn provoziert.<br \/>\n<em>B\u00fchne &amp; Kost\u00fcm<\/em>: Astrid Noventa<br \/>\n<em>Dramaturgie<\/em>: Miriam Schmidt<\/p>\n<p>Eine Veranstaltung der <em>Schwankhalle Bremen<\/em> in\u00a0 Koproduktion mit dem <em>steirischen herbst festival Graz<\/em>, und dem <em>Polittb\u00fcro Hamburg<\/em>. Mit freundlicher Unterst\u00fctzung vom <em>Musicboard Berlin.<\/em> In Kooperation mit der <em>Rosa-Luxemburg-Initiative &#8211; Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Bremen.<\/em><\/p>\n<p>Tickets k\u00f6nnen \u00fcber die Schwankhalle Bremen bezogen werden: www.schwankhalle.de<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Konzert-Theater von und mit Thomas Ebermann, Kristof Schreuf, Andreas Spechtl und Robert Stadlober Freitag, 31. 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