{"id":70,"date":"2007-09-05T19:30:56","date_gmt":"2007-09-05T17:30:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/?p=98"},"modified":"2007-09-05T19:30:56","modified_gmt":"2007-09-05T17:30:56","slug":"agit-883-bewegung-revolte-underground-und-heute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/test\/veranstaltung\/2007\/agit-883-bewegung-revolte-underground-und-heute\/","title":{"rendered":"Agit 883: Bewegung, Revolte, Underground &#8211; und heute?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mittwoch, 5. September 2007, 19.30 Uhr<br \/>\nInfoladen Bremen, St. Pauli Strasse 10\/12, 28203 Bremen<\/strong><\/p>\n<p><strong>Mit Markus Mohr, Hamburg, Hartmut R\u00fcbner, Berlin, und Gerald Gr\u00fcneklee, Bremen<\/strong><\/p>\n<p>Viele haben von ihr geh\u00f6rt, aber die wenigsten haben sie in der Hand gehalten: Die Berliner Zeitung Agit 883. Als Medium der Gegen\u00f6ffentlichkeit strahlte sie in den Jahren 1969 bis 1972 weit in die Bundesrepublik aus. Agit 883 war das auflagenst\u00e4rkste Organ des parteiunabh\u00e4ngigen Linksradikalismus jener Tage.<br \/>\nDie Redaktionsr\u00e4ume der Zeitung waren der Ort von Begegnungen und lautstark wie zum Teil handgreiflich ausgetragenen Konfrontationen innerhalb des linken Spektrums: Anarchisten trafen hier auf Maoisten, Antiimperialisten waren mit engagierten Mitgliedern von Basisgruppen konfrontiert, Sozialisten versuchten sich einen Reim auf Hasch- und Wermutrebellen sowie rote Bauarbeiter zu machen. Musiker verfolgten die Redaktionsdebatten genauso wie angehende Journalisten. In den \u00f6ffentlichen Redaktionstreffen der Agit 883 verdichtete sich, was die Linke jener Tage in Szenelokalit\u00e4ten, Kommunen und Wohngemeinschaften geredet, nachgedacht und n\u00e4chtelang diskutiert hatte.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nRund 250 politische Gruppen nutzten die Zeitung &#8211; sie sprengte die zuvor \u00fcberwiegend verbandsf\u00f6rmig bestimmte \u00d6ffentlichkeit der Studentenbewegung. Agit 883 kann als Spiegelbild eines Neuzusammensetzungs- und Suchprozesses der radikalen Linken in den Jahren 1969\/70 gelten. Die Zeitung war nicht nur theoretisches Medium, sondern visualisierte das vibrierende Lebensgef\u00fchl der Linken in Berlin. Agit 883 war mit dem durcheinander gewirbelten Layout und in der Sprache in irritierender Weise anders. Es ist augenf\u00e4llig: F\u00fcr diese linke Generation stand die Revolution auf der Tagesordnung.<br \/>\nDie in der Zeitung aufgeworfenen Fragen sind auch heute noch von Interesse und noch lange nicht positiv beantwortet. Dazu geh\u00f6ren die Suche nach einer anderen Sexualit\u00e4t, nach kollektiven Lebensweisen oder nach geeigneten B\u00fcndnispartnerInnen.<br \/>\nBei der Veranstaltung wird es nicht nur um eine etwas angestaubt wirkende Geschichte gehen. Die zentralen Fragen lauten: Was machte das &#8222;Moderne&#8220; der Zeitung Agit 883 aus? Welche Anst\u00f6\u00dfe gab sie f\u00fcr linke Bewegungen? L\u00e4sst sich daraus etwas f\u00fcr die heutige linke &#8222;\u00d6ffentlichkeitsarbeit&#8220; lernen? Gibt es \u00fcberhaupt noch eine Gegen\u00f6ffentlichkeit? Was ist das \u00fcberhaupt? Wozu w\u00fcrde sie gebraucht?<br \/>\nDer Bogen w\u00e4re also von der Schilderung dessen, was die Agit 883 gemacht und wie sie sich organisiert hat, in welche Debatten sie hineingewirkt hat, bis dahin zu schlagen, wo ihre St\u00e4rken und Schw\u00e4chen waren und in welchen Punkten sie eben auch sehr &#8222;innovativ&#8220; war: Wo finden sich \u00fcberorganisatorische und themen\u00fcbergreifende Beispiele linksradikaler Medienproduktion? Gibt es daf\u00fcr \u00fcberhaupt noch AdressatInnen? Oder ist das Konzept &#8222;Zeitung&#8220; veraltet, geht es im medialen Bereich eher Richtung Kommunikationsguerilla, die auch, aber eben bei weitem nicht nur in Printmedien hineinwirkt und sich eher die bestehende \u00d6ffentlichkeit incl. des Internet nutzbar und zum Adressaten macht?<\/p>\n<p>Ablauf:<br \/>\nMarkus Mohr\/Hartmut R\u00fcbner: Bewegungsgeschichte als Mediengeschichte &#8211; Die Geschichte der Agit 883 als Spiegelbild der antiautorit\u00e4ren sozialen Bewegungen von 1968-1972 (ca. 45 Min.)<\/p>\n<p>Bernd H\u00fcttner: Nutzt die eigene Geschichte &#8211; \u00dcber Archive sozialer Bewegungen (ca. 10 Min.)<\/p>\n<p>Gerald Gr\u00fcneklee: Das Konzept Gegen\u00f6ffentlichkeit und Medien &#8211; ist &#8222;dagegen&#8220; heute nur eine neue Marke? Einige Stichworte zu M\u00f6glichkeiten und Perspektiven selbstbestimmter Medienpraxis heute (ca. 20 Min.)<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend Diskussion<\/p>\n<p>Moderation Bernd H\u00fcttner<\/p>\n<p>Markus Mohr, Hamburg ist einer der Mitherausgeber des Buches und engagierter linker Bewegungsforscher; Hartmut R\u00fcbner ist ebenfalls Mitherausgeber des Buches. Gerald Gr\u00fcneklee, Bremen, 1991 Gr\u00fcnder des Anares Vertrieb linker Literatur; Bernd H\u00fcttner ist Gr\u00fcnder des Bremer Archiv der sozialen Bewegungen und Regionalmitarbeiter Bremen der Rosa-Luxemburg-Stiftung.<\/p>\n<p>Literaturhinweis:<br \/>\nrotaprint 25 (Hrsg.): <a href=\"http:\/\/www.assoziation-a.de\/neu\/Agit_883.htm\">Agit 883. Bewegung, Revolte, Underground in Westberlin 1969-1972<\/a>; 296 Seiten, mit CD mit s\u00e4mtlichen Ausgaben der Agit 883, Oktober 2006, 22 EUR<\/p>\n<p>Mittwoch, 5. September 2007, 19.30 Uhr<br \/>\nInfoladen Bremen, St. Pauli Strasse 10\/12, 28203 Bremen<\/p>\n<p>Eine Veranstaltung der Rosa Luxemburg Initiative Bremen e.V.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mittwoch, 5. 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