{"id":9633,"date":"2021-09-23T21:59:23","date_gmt":"2021-09-23T19:59:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/?p=9633"},"modified":"2021-11-04T13:37:44","modified_gmt":"2021-11-04T11:37:44","slug":"politische-oekonomie-heute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/test\/arbeit-okonomie\/2021\/politische-oekonomie-heute\/","title":{"rendered":"Politische \u00d6konomie heute"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Verleihung des J\u00f6rg-Huffschmid-Preises 2021<br>Freitag, 12. November 2021, um 17 Uhr in Bremen<\/strong><br><a href=\"https:\/\/www.hausderwissenschaft.de\/Kontakt.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Haus der Wissenschaft<\/a>, Sandstr. 4\/5, 28195 Bremen<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Marie Grasmeier<\/strong>,\u00a0<strong>Madelaine Moore<\/strong>\u00a0und\u00a0<strong>Simon Schaupp<\/strong>\u00a0werden f\u00fcr ihre hervorragenden Dissertationen in den Sozialwissenschaften mit dem diesj\u00e4hrigen J\u00f6rg-Huffschmid-Preis ausgezeichnet. Die Auszeichnung im Gedenken an das wissenschaftliche Werk und gesellschaftspolitische Engagement des 2009 verstorbenen Bremer \u00d6konomen J\u00f6rg Huffschmid wird alle zwei Jahre durch die Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik, Attac Deutschland, die EuroMemo-Gruppe und die Rosa-Luxemburg-Stiftung vergeben. Die Preisverleihung findet am 12. November um 17 Uhr im Haus der Wissenschaft der Universit\u00e4t Bremen statt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/test\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/huffschmid_sw.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/test\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/huffschmid_sw.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9636\" width=\"467\" height=\"263\" srcset=\"https:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/test\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/huffschmid_sw.jpg 622w, https:\/\/www.rosa-luxemburg.com\/test\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/huffschmid_sw-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 467px) 100vw, 467px\" \/><\/a><figcaption>J\u00f6rg Huffschmid<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die drei ausgezeichneten Dissertationen beeindruckten die Jury dadurch, dass sie nicht nur Transformationen des zeitgen\u00f6ssischen Kapitalismus analysieren, sondern zugleich auch untersuchen, wie diese subjektiv verarbeitet werden und welche K\u00e4mpfe sich innerhalb der gegenw\u00e4rtigen Herrschafts- und Ausbeutungsverh\u00e4ltnisse entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Marie Grasmeier hat in ihrer Dissertation die Berufskultur und die beruflichen Identit\u00e4ten von Seeleuten in der globalen Handelsflotte durch teilnehmende Beobachtung untersucht, wobei ihr das Nautikstudium, das sie bereits vor ihrem Studium der Kulturwissenschaften und der Gender Studies absolviert hat, und ihre Praxis in der Seefahrt zugutekamen. Indem sie nachverfolgt, wie Seeleute \u2013 trotz der Gegenwart rassistischer, nationalistischer und geschlechtlicher Abgrenzungen in den heutzutage multinational zusammengesetzten Mannschaften \u2013 eine international verbreitete berufliche Identit\u00e4t entwickelt haben, macht sie zugleich deutlich, wie in tagt\u00e4glicher Arbeit auf See die Voraussetzungen f\u00fcr die Aufrechterhaltung der transnationalen Produktionsnetzwerke im globalisierten Kapitalismus geschaffen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Madelaine Moore vergleicht in ihrer Dissertation die K\u00e4mpfe gegen die Privatisierung der Wasserversorgung in Australien und in Irland. Indem sie Ans\u00e4tze der Bewegungsforschung, der kritischen politischen \u00d6konomie, der politischen \u00d6kologie und der feministischen Theorie der sozialen Reproduktion verbindet, gelingt es ihr durch diese Fallstudien, grundlegende Schl\u00fcsse bez\u00fcglich der gegenw\u00e4rtigen politischen Konjunktur zu ziehen. \u00d6konomische, \u00f6kologische und soziale Krisen werden demnach im gegenw\u00e4rtigen Kapitalismus nur insoweit \u00abgel\u00f6st\u00bb, als sie in den Hintergrund treten bzw. eine Dimension der Krise durch eine andere tempor\u00e4r verdr\u00e4ngt wird. Zugleich zeigt sie, dass stets eine \u00abreproduktive Unruhe\u00bb als Form rebellischer Subjektivit\u00e4t weiterbesteht.<\/p>\n\n\n\n<p>Simon Schaupp untersucht in seiner Dissertation \u00abTechnopolitik von unten\u00bb durch mehrere Betriebsfallstudien, die auch auf teilnehmender Beobachtung beruhen, wie die algorithmische Arbeitssteuerung die Arbeitsprozesse ver\u00e4ndert, wie die neuen digitalen Technologien von den Besch\u00e4ftigten angeeignet werden und welche Momente der Selbstorganisation und des Widerstands gegen die kapitalistische Ausbeutung und Herrschaft damit verbunden sind. Er zeigt, dass die Digitalisierung kein technologisch neutraler, sich gleichsam gesetzm\u00e4\u00dfig vollziehender Prozess, sondern st\u00e4ndig umk\u00e4mpft ist \u2013 Schaupp pr\u00e4gt daf\u00fcr den Begriff der \u00abkybernetischen Proletarisierung\u00bb.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der J\u00f6rg-Huffschmid-Preis wird in diesem Jahr zum sechsten Mal verliehen. Die Preisverleihung ist Teil des <a href=\"https:\/\/www.uni-bremen.de\/50-jahre\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Festprogramms anl\u00e4sslich des f\u00fcnfzigj\u00e4hrigen Bestehens der Universit\u00e4t Bremen<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Preisverleihung beginnt mit zwei Vortr\u00e4gen von Prof. Dr. Heide Gerstenberger (Universit\u00e4t Bremen) und Prof. Dr. Rudolf Hickel (Universit\u00e4t Bremen), die beide \u00fcber viele Jahre mit J\u00f6rg Huffschmid zusammengearbeitet haben. <strong>Heide Gerstenberger<\/strong> wird erl\u00e4utern, welche Bedeutung die einst als \u00abrote Kaderschmiede\u00bb bezeichnete Universit\u00e4t Bremen im Kontext des Projekts einer demokratischen Hochschulreform hatte und an welche Grenzen dieses Projekt gesto\u00dfen ist. <strong>Rudolf Hickel<\/strong> wird n\u00e4her auf die umfangreiche und intensive Arbeit von J\u00f6rg Huffschmid im Bereich der Wirtschaftswissenschaft eingehen. Dabei stehen seine Beitr\u00e4ge zur Weiterentwicklung der Politischen \u00d6konomie auf den Grundlagen der von Marx vorgelegten Anatomie des Kapitalismus sowie sein Pionierwerk \u00abPolitische \u00d6konomie der Finanzm\u00e4rkte\u00bb im Mittelpunkt. Es geht auch um die 1975 mit der Gr\u00fcndung der \u00abArbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik (AAW) von der Universit\u00e4t Bremen aus gestartete Kritik der \u00abMainstream Economics\u00bb durch eine sozial und \u00f6kologisch verantwortliche, interdisziplin\u00e4r ausgerichtete und empirisch fundierte Wirtschaftswissenschaft.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Die Laudatio zu der Arbeit von Marie Grasmeier h\u00e4lt Prof. Dr. <strong>Heide Gerstenberger<\/strong>.<\/li><li>Die Laudatio zu der Arbeit von Madelaine Moore h\u00e4lt Prof. Dr. <strong>Laura Horn<\/strong> (Universit\u00e4t Roskilde).<\/li><li>Die Laudatio zu der Arbeit von Simon Schaupp h\u00e4lt Dr. <strong>Thomas Sablowski<\/strong> (Rosa-Luxemburg-Stiftung).<\/li><li>Die Preisverleihung wird moderiert von Prof. Dr. <strong>Birgit Mahnkopf <\/strong>(Institute for International Political Economy, Berlin).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><em>F\u00fcr die Teilnahme an der Veranstaltung bitten wir um Anmeldung bei Thomas Sablowski,\u00a0<a href=\"mailto:thomas.sablowski@rosalux.org\">thomas.sablowski@rosalux.org<\/a>. <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verleihung des J\u00f6rg-Huffschmid-Preises 2021Freitag, 12. 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