Dienstag 2. März 2009, 19 Uhr, Konsul-Hackfeld-Haus, Birkenstr. 34, 28195 Bremen (großer Clubraum)
mit Wilko Zicht, www.wahlrecht.de
Im Jahr 2006 gab es in Bremen ein Volksbegehren “Mehr Demokratie beim Wählen”, initiiert von Mehr Demokratie e.V. Nachdem über 70.000 Menschen für das neue Wahlrecht unterschrieben hatten, verabschiedete die Bremische Bürgerschaft im Dezember 2006 ein entsprechendes Gesetz. Das neue Wahlrecht sieht vor, dass die Wähler/innen nicht mehr nur eine Stimme für eine Parteiliste, sondern fünf Stimmen haben, die sie an einzelne Kandidat/innen vergeben können. Diese können auf einen oder mehrere KandidatInnen einer Partei gehäufelt (kumuliert) oder auch auf Kandidaten verschiedener Parteien verteilt (panaschiert) werden. Dadurch kann die Reihenfolge auf den Parteilisten durch die Wähler/innen geändert werden, was ihnen mehr Einfluss auf die Zusammensetzung der Parlamente ermöglicht. Ferner wird das Wahlalter für die Bürgerschaftswahl auf 16 Jahre gesenkt. Mehr Informationen zum neuen Wahlrecht, das bei der Bürgerschaftswahl am 22. mai 2011 erstmals angewendet werden wird, finden sich u.a. auf der Homepage des Volksbegehrens unter http://bremen.neues-wahlrecht.de/.
Wilko Zicht vom renommierten Internetportal www.wahlrecht.de wird das neue Wahlrecht vorstellen und erste Auswirkungen für die politische Landschaft Bremens skizzieren.
Moderation: Bernd Hüttner, Politikwissenschaftler und Regionalmitarbeiter Bremen der RLS
Welche Handlungsfelder und Möglichkeiten haben Feministinnen heute, wo liegen feministische Herausforderungen und Perspektiven? Zwei spannende neue Bücher werfen einen genaueren Blick auf die „neue Generation“ von Feministinnen in Deutschland (Lenz/Paetau) und die Globalisierung der Frauenbewegungen (Wichterich): Deutlich wird in sehr unterschiedlicher Weise, Widersprüche in den Geschlechterverhältnissen erfordern gerade jetzt feministische Antworten, bei denen es nicht nur um die Gleichstellung geht, sondern um die Veränderung gesellschaftlicher Spielregeln und Machtstrukturen, um Emanzipation, um Freiheit von Gewalt, um soziale Gerechtigkeit. Die Rezensionen von Corinna Genschel sind hier nachzulesen.
Das neue Heft des Magazins „prager frühling“ ist da. Unter dem Motto „Für einen System change not climate change“ schreiben u. a. Hermann Scheer, Nicole Maisch, Ulrich Beck, Eva Bulling-Schröter, Mona Bricke, Mario Candeias, Bärbel Höhn und Ilka Schröder. Online sind u.a. Thesen der Redaktion zu Klimagerechtigkeit und Lieber Red als New – Plädoyer der Redaktion für einen Red Green Deal.
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Joachim Hirsch, der Papst der bundesdeutschen Regulationstheorie veröffentlicht in Heft 1/2010 von „express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit“: Krise?! War da was? Überlegungen zu einem andauernden Problem
Donnerstag 15. April 2010, 19 Uhr 30, Paradox, Bernhardstraße 12, 28203 Bremen
mit Thomas Goes
(Post-)operaistisches Denken hat die Diskussionen über Gesellschaftsanalyse und politische Strategie der (revolutionären) Linken bereichert. Der Operaismus – in seinem Epizentrum Italien in den 60er und 70er Jahren als Kritik an der Politik der Kommunistischen Partei entstanden – wandte sich gegen ein staatsfixiertes und refformististisches Politikmodell; zugleich brachte er eine Hinwendung zu den sozialen Kämpfen in Fabrik und Stadtteil.
Jüngere Ansätze, die sich kritisch auf diese Tradition beziehen, haben seit den 90er Jahren zudem nach der Krise von Stalinismus und Sozialdemokratie an der Erneuerung nicht nur einer auf Befreiung zielenden Gesellschaftsanalyse sondern einer entsprechenden politischen Strategiediskussioin teilgenommen.
Prominente Vertreter finden sich in Antonio Negri und John Holloway. Aus marxistischer Perspektive wurde früh an zentralen Theorien und strategischen Schlussfolgerungen des Postoperaismus Kritik geübt. Dazu gehört das Konzept der Multitude von Michael Hardt und Antonio Negri ebenso wie Thesen über die Rolle politischer Organisationen sowie Vorstellungen anti-institutioneller, anti-staatlicher oder gar anti-machtlicher Politik (Holloway).
Im Vortrag werden zunächst die Stärken (post-)operaistischer Theorie und Strategiebildung diskutiet. Daran anschließend werden aus einer an Hannah Arendt, Antonio Gramsci und Rosa Luxemburg angelehnten Position Kritiken an dem Konzept der Multitude, am Staatsbegriff und machtpolitischen Schlussfolgerungen formuliert. Produktiv wird so eine sozialistische Hegemoniestrategie entwickelt, die von der notwendigen pluralistischen politischen Organisierung und Parteibildung ausgeht. Durch diese können die vielfältigen sozialen Kämpfe verbunden und vermittelt werden. Nur durch das Wechselverhältnis von sozialen Kämpfen sowie Massenbewegungen und die langfristige vermittelnde Praxis politischer Organisationen kann sozialistische Gegenmacht gesellschaftlich führend und sozialistische Transformation ermöglicht werden.
Thomas Goes ist Sozialwissenschaftler an der Universität Jena und aktiv in der Partei DIE LINKE Kassel. Seine Arbeitsgebiete sind Gesellschaftstheorie, Industrie- und Arbeitssoziologie sowie Staatsanalyse.
Foliensatz (Post-)Operaismus und sozialistische Hegemonie [pdf 1,36 MB]
Seit heute, den 26.02.2010 ist die neue Website der Rosa-Luxemburg-Initiative im Betrieb.
Einen Blick in den Abgrund der Linkspartei unternimmt Albert Scharenberg ins einem Artikel in den Blättern für deutsche und internationale Politik, (Heft März 2010). Er schreibt: „Damit zeigt sich zugleich, welch zentrale Bedeutung dem scheidenden Parteivorsitzenden zukommt. Ohne Lafontaine hätte es die Linkspartei, wie Fraktionschef Gregor Gysi betonte, „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht gegeben.“ Auch war und ist es Lafontaines Integrationskraft zu verdanken, dass die in Westdeutschland überaus heterogene Parteibasis sich der Politik zuwandte, statt in den üblichen, für die Westlinke traditionell so typischen Fraktions- und Grabenkämpfen zwischen „Judäischer Volksfront“ und „Volksfront von Judäa“ (Monty Python) zu versinken. Hier weiterlesen.
Buch „Tauschen – Schenken – Geld?“ & Report der Heinrich-Böll-Stiftung „Gemeingüter – Wohlstand durch Teilen“ erschienen
Es besteht heute eine Vielzahl an traditionellen kulturellen Modellen und neuen alternativen Projekten und Lebensweisen, die mit wirtschaftlichen Alternativen experimentieren. In ihrem Buch betrachtet Sigrun Preissing einige dieser ökonomischen Gegenentwürfe: Formen des Schenkens, des Tausches oder Komplementärwährungen. Das traditionelle Muschelgeld der Tolai und der argentinische Crédito, ethnologische Tauschtheorie und Kapitalismuskritik: Welche Faktoren begünstigen die Stabilität alternativer ökonomischer Modelle? Wie können sie zu sozialen, nachhaltigen Reserven in der kapitalistischen Krise werden? Können aus diesen Versuchen neue gesellschaftliche Konzepte entwickelt werden, die verwoben mit neuen Transaktionsformen sozial und ökologisch tragfähig sind?
Der Report „Gemeingüter – Wohlstand durch Teilen“ von Silke Helfrich, Rainer Kuhlen, Wolfgang Sachs und Christian Siefkes erzählt die Geschichte und Philosophie der Commons, was Gemeingüter ausmacht, wie sie funktionieren und warum sie wesentlich sind. Der Report ist online verfügbar unter http://www.boell.de/downloads/Gemeingueter_Report_Commons.pdf
Sigrun Preissing: Tauschen – Schenken – Geld? Ökonomische und gesellschaftliche Gegenentwürfe. Reimers Verlag, September 2009, 22.90 Euro
RosaLux 1/2010: «Politischer Klimawandel»erschienen
«100 Tage Schwarz-Gelb» ist der Schwerpunkt der ersten Ausgabe in 2010. Außerdem: Rückblick auf den Kongress zur Kreativwirtschaft, Analyse über das Scheitern in Kopenhagen, Bildungsreise des Studienwerks zu NS-Vernichtungslagern, Bericht zum Kampf der brasilianischen Fischer gegen ThyssenKrupp u.v.m. Nähere Informationen und Download unter: http://www.rosalux.de/cms/index.php?id=20884 [2,3 MB]
Das Event – in Berlin 4. bis 6. März 2010
Wir wollen gemeinsam mit Euch diskutieren, welche Brisanz und Wichtigkeit queer-feministische Positionen für eine Ökonomie- und Gesellschaftskritik haben. Wir wollen überlegen, wie wir die kapitalistische, heteronormative und gesellschaftliche Reproduktion analysieren und kritisieren können. Und wir wollen uns eine alternative Gesellschaft vorstellen, die jenseits von Ausschlusskriterien wie Klasse, Geschlecht, Nationalität oder fragwürdigen, individuellen Fähigkeiten ein gutes Leben für alle anstrebt. Mit welcher gemeinsamen politischen Praxis und Kritik kommen wir dem ein Stück näher und wer können unsere potenziellen Bündnispartnerinnen und Bündnispartner hierfür sein?
Die Verschränkungen von Ökonomie, Geschlecht und heteronormativer Gewalt bilden dabei einige der zentralen Achsen unserer Auseinandersetzungen. Wir beziehen uns solidarisch-kritisch auf eine lange Tradition verschiedener feministischer Auseinandersetzungen und Forderungen. Diese reicht von den Anfängen der bürgerlichen Frauenbewegung, über die feministische Ökonomiekritik der zweiten Frauenbewegung, bis hin zu jüngeren Ansätzen einer radikalen Dekonstruktion heteronormativen Arbeitsteilung.
http://www.feministische-oekonomiekritik.org/
Die 2. Auflage der von der RLI in Kooperation mit der Bremer Gruppe associazione delle talpe erstellten Broschüre Staatsfragen-Einführungen in d. materialistische Staatskritik ist jetzt da. Einzelhefte sind gegen 90 ct. Briefmarke über das Regionalbüro erhältlich. Online ist sie hier
Ein Hinwesi auf einen Eintrag im Blog von Tom Strohschneider: „Störtrupps“ und „Antisemiten“: Schlagabtausch um Finkelstein-Podium, Luxemburg-Stiftung zieht Raum zurück http://tinyurl.com/yz3rzp9
neues Standpunkte-Paper der RLS zur Parteientwicklung www.rosalux.de/cms/index.php?id=2083
Mittwoch 17. März 2010 / 20 Uhr / Infoladen Bremen / St. Pauli-Str. 10-12 / 28203 Bremen
Der Film „Er tanzte das Leben“ porträtiert den jüdischen Tänzer Sylvin Rubinstein. Kuno Kruse begleitete Sylvin auf einer Reise in die Vergangenheit: Im 2. Weltkrieg wird Sylvin als Widerstandskämpfer mit den schlimmsten Widrigkeiten des Lebens konfrontiert. Seine Mutter und Schwester werden durch Nazis ermordet. Nach dieser Schreckenszeit wird er, als Frau verkleidet, ein Flamencostar der fünfziger Jahre. Zu Ehren seiner Schwester nennt er sich Dolores.
Der Marxsche Begriff der ursprünglichen Akkumulation und seine Bedeutung für eine kritische Analyse der kapitalistischen Verhältnisse
Freitag 19. Februar 2010, 20 Uhr, Infoladen Bremen, St. Pauli-Str. 10-12, 28203 Bremen
mit Werner Bonefeld
In seiner Kritik der politischen Ökonomie beschreibt Marx die Durchsetzung der kapitalistischen Produktionsweise mit dem Begriff der ursprünglichen Akkumulation als gewaltsame Trennung der Produzierenden von Boden und Produktionsmitteln. Der Begriff der ursprünglichen Akkumulation beschreibt aber nicht bloß ein historisches Ereignis, sondern auch einen permanenten Prozess der Expansion der kapitalistischen Produktionsweise in immer weitere Regionen und Sphären. Dieser Prozess ist gekennzeichnet durch fortwährende Proletarisierung und „Akkumulation durch Enteignung“ (David Harvey). Werner Bonefeld argumentiert, dass der Begriff der ursprünglichen Akkumulation darüber hinaus von konstituierender Bedeutung für den Begriff des Kapitals ist und somit die „Geheimgeschichte“ der kapitalistischen Reproduktion darstellt. Bonefeld stellt in seinem Vortrag die Bedeutung des Begriffs für eine kritische Analyse der kapitalistischen Verhältnisse vor.
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Freitag 5. Februar 2010, 21 Uhr, Zakk, Sielpfad 11, 28203 Bremen
Ein Junge ohne Namen, eine Jugend in den Siebzigern. Während sich die Eltern für den bewaffneten Kampf im Untergrund entscheiden, erlebt der Erzähler sein schwules Coming-out. BRD-Geschichte und „éducation sentimentale“ verschmelzen zu einer stilistisch einzigartigen Bildgeschichte, angesiedelt im Graubereich zwischen Graphic Novel und illustrierter Erzählung, in der die Niedlichkeit und Naivität der Bilder immer wieder durch drastische, dramatische und ernüchternde Momente gebrochen wird.
Martin Büsser, geboren 1968, ist Autor zahlreicher Bücher und Artikel zu Popkultur, bildender Kunst und Kulturkritik. Er schreibt unter anderem für konkret, Jungle World und WoZ. Martin Büsser lebt in Mainz und arbeitet dort unter anderem in der testcard-Redaktion. „Der Junge von nebenan“ ist seine erste graphische und fiktionale Veröffentlichung.
Eine Veranstaltung in Kooperation mit der associazione delle talpe (Bremen).
Im Anschluss bar rosso [cultural reeducation].
Donnerstag, 18. Februar 2010, 19.30 Uhr, Stadtbibliothek, Bürgermeister Smidt-Str.10, Hanse Carré, 27568 Bremerhaven
Vortrag und Diskussion mit Colin Goldner
Der Dalai Lama genießt weltweit höchstes Ansehen; der von ihm vertretene Buddhismus wird mit absoluter Gewaltfreiheit und Toleranz gleichgesetzt. Goldner nimmt dem Dalai Lama seinen Heiligenschein und entmystifiziert den tibetischen Buddhismus als menschenverachtend, gewalttätig, demokratie- und frauenfeindlich. Auch die Mär von der Zerstörung des tibetischen „Paradieses“ durch die chinesischen Invasoren wird demontiert. Colin Goldner, Autor des Buches „Dalai Lama. Fall eines Gottkönigs“, (Alibri Verlag,Aschaffenburg 2008) ist promovierter Klinischer Psychologe und Publizist, weist mehr als 30 Veröffentlichungen vor und bereiste Tibet mehrfach. Er lebt als Publizist in Köln.
Eine Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Initiative Bremen in Kooperation mit dem Verein „Literatur und Politik e.V.“ Bremerhaven
4.2. 2010, 20 Uhr, Bürgerhaus Weserterassen, Osterdeich 70b, 28203 Bremen
Vortrag und Diskussion mit Rosa Fava, Hamburg
Unter den Häftlingen im KZ Neuengamme, die aus den besetzten Ländern deportiert worden waren, befanden sich auch einige Schwarze/People of Color. Die meisten westeuropäischen Staaten waren in den 1940er Jahren noch Kolonialmächte mit einer Bevölkerung aus den überseeischen Kolonien und Protektoraten. Männer aus der Einwanderungsbevölkerung meldeten sich freiwillig zur Armee, um den deutschen Angriff zurück zuschlagen, Frauen und Männer gingen in den Untergrund und waren Teil der antifaschistischen Widerstandsbewegungen im linken oder bürgerlichen Spektrum. Die Nationalsozialisten be- und misshandelten diese Personen einerseits wie die weißen Landsleute als politische Gegner, andererseits waren sie, wie schon vorher, dem kolonialen Rassismus gegen Schwarze oder Araber ausgesetzt.
Unter den Neuengammer Schwarzen Häftlingen waren, so weit bisher bekannt, keine Schwarzen Deutschen. Ausgehend von den Schwarzen in Neuengamme wird es auf der Veranstaltung auch um Schwarze Deutsche
gehen, die in anderen Konzentrationslagern inhaftiert waren. Die Hintergründe ihrer Inhaftierung eröffnen den Blick auf die Lebensbedingungen von Schwarzen im Nationalsozialismus.
Rosa Fava promoviert zu Erinnerungspädagogik und war bis 2008 freie Mitarbeiterin der KZ-Gedenkstätte Neuengamme.
In der Reihe Antifaschistische Perspektiven der Erinnerung.
Eine Veranstaltung in Kooperation mit iaf e.V. Bremen.
Samstag und Sonntag, 15./16. September 2007, Kulturzentrum Lagerhaus, Medien Coop, Etage 3, Schildstr. 12-19, 28203
Workshop mit zwei GenossInnen von der Gruppe TOP (Theorie Organisation Praxis) aus Berlin
Kritik an kapitalistischen Verhältnissen oder der Globalisierung ist seit den Mobilisierungen gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm in aller Munde und beschäftigt viele nach den Gipfelprotesten weiter. Was mit Kapitalismus und Globalisierung genau gemeint ist, wird jedoch oft sehr unterschiedlich interpretiert.
Dieser Workshop soll eine Einführung in die Grundbegriffe von Kapitalismuskritik geben: Was unterscheidet Kapitalismus von bisherigen historischen Gesellschaftsverhältnissen? Was hat es mit Ware, Kapital und Arbeit auf sich und wie lässt sich eine emanzipatorische Kritik daran formulieren? Da Kritik an Kapitalismus, Globalisierung und die Forderung nach einer anderen Welt nicht automatisch fortschrittlich ist, bedarf es einer klaren Abgrenzung von einem reaktionären und diffusen Antikapitalismus.
Der Workshop ist so gestaltet, dass keine großen Kenntnisse zum Thema vorausgesetzt werden, sondern vielmehr die Gelegenheit geboten werden soll ungeniert Fragen zu stellen.
Raum und Uhrzeit siehe im Programm des Bremer Sozialforum unter www.bremer-sozialforum.de
Texte und Informationen der gruppe TOP gibt es unter www.top-berlin.net
Zur Entstehung und Kritik des bürgerlichen Eigentumsbegriffs
Mittwoch, 3. Februar 2010, 20 Uhr, Infoladen Bremen, St. Pauli Str. 10-12, 28203 Bremen
mit Ingo Elbe (rote ruhr uni Bochum)
Der Begriff des Privateigentums ist einer der zentralen Begriffe, auf dem die moderne kapitalistische Gesellschaft ihr Selbstverständnis aufbaut. Privateigentum wird als „dem“ Menschen angemessene Aneignungs- und Rechtsform von Gütern begriffen – die bürgerliche Gesellschaft damit als vernünftig und dem Wesen des Menschen angemessene legitimiert. Die bei weitem einflussreichste Fassung, ja die Begründung des modernen Privateigentumsbegriffs findet sich in der 1689 veröffentlichten Zweiten Abhandlung über die Regierung von John Locke. Locke leitet das Recht auf Privateigentum aus dem Wesen des Menschen ab, genauer: aus der „Vermischung“ seiner Fähigkeiten mit Sachgütern durch Arbeit. Privateigentum wird damit erstmals in der politischen Ideengeschichte systematisch als vorsoziale Rechtsinstitution begründet und damit dem aufstrebenden Bürgertum eine nachhaltige Legitimationsgrundlage geschaffen, die noch im BGB nachwirkt. Auch viele Kritiken am Kapitalismus wurden von dieser „Arbeitstheorie des Eigentums“ geprägt („Eigentum (der Ausbeuter) ist Diebstahl“, „Recht auf den vollen Arbeitsertrag“ usw.). Der Vortrag von Ingo Elbe soll Lockes Ansatz in seinen Grundzügen und ideengeschichtlichen Konstellationen vorstellen, einer Kritik unterziehen und zeigen, dass er in seinen Prinzipien bis heute fortwirkt. Die Widersprüche des ökonomischen Liberalismus sollen dabei ebenso deutlich werden, wie die gemeinsamen (falschen) Grundlagen, die viele linke Eigentumstheorien mit ihrem liberalen Widerpart teilen.
Ingo Elbe ist Philosoph, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Oldenburg und Mitglied des Bochumer Arbeitskreises rote ruhr-uni. Aktuelle Veröffentlichungen: (Mithrsg.:) Eigentum, Gesellschaftsvertrag, Staat, Münster 2009; Marx im Westen. Die neue Marx-Lektüre in der Bundesrepublik seit 1965; Berlin 2008. Online-Texte unter: www.rote-ruhr-uni.com
Die Veranstaltung wird organisiert in Kooperation mit der associazione delle talpe.